これは日本語です – Das ist Japanisch

Posted by: on Sep 6, 2011 in Pfoffie, Pfoffie, Sprache, Text | No Comments

Vor kurzem konnte ich für das Regiolive-Magazin des Zofinger Tagblattes (Meinem Arbeitgeber) einen kleinen Artikel über das Lernen von Japanisch schreiben. Natürlich will ich diesen auch mit euch teilen. Den Artikel findet Ihr natürlich auf der Regiolive-Website, im E-Paper und natürlich auch hier, gleich nachfolgend auf enjor.

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«In keinem Universum» – Eine Kurzgeschichte

Posted by: on Apr 25, 2011 in Kurzgeschichten, Text | 4 Comments
«In keinem Universum» – Eine Kurzgeschichte

Nach einer Party bei einem Kumpel am Freitag Abend fuhr ich nach Hause und hatte eigentlich vor, währenddessen im Internet mit irgendwem zu chatten – aber irgendwie war keiner da. Ein paar auf tausend Einheiten Alkohol im Blut, eine Idee für eine Szene und die zufällig passende Musik liessen mich dann aber zwischen 0:45 und 2:50 Uhr eine Geschichte in mein iPad tippeln. Diese Geschichte habe ich dann Gestern und Heute (Samstag und Sonntag) korrigiert, erweitert, korrigiert und dann wohl noch einmal etwas verändert. Und natürlich will die Geschichte mit euch teilen!

Für alle Benutzer von Apple-Gerätern (mit aktuellem Update und der «iBooks»-App) habe ich sogar etwas supertolles und neues zu bieten. Einfach auf den folgenden Link klicken und die Geschichte als (natürlich kostenloses) eBook direkt auf dem iPhone, iPod Touch oder iPad lesen! Hier klicken für «In keinem Universum» als eBook! Es lohnt sich nach dem Lesen noch einmal hierher zurückzukehren.

Wer das nicht will, darf gerne auf «Read More» klicken und die Geschichte Lesen.

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«Die Herbstwanderung» – Eine Kurzgeschichte

Posted by: on Dez 1, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | One Comment

Könnt ihr euch noch an mein superduper-Schreibkurs-Studium-Dings erinnern? (Bei solchen Einleitungssätzen scheine ich das auch zu vergessen haha) Dank jenem wurde ich ja bereits zu einigen Kurzgeschichten gezwungen. Einige – genauer vier – davon, habe ich ja vor kurzem sogar hier gebloggt. Ich weiss nicht, ob ich das damals schon festhielt, es handelte sich jedoch bei allen bisherigen Geschichten einfach um Übungen aus den Arbeitsheften, nicht um Einsendeübungen. Aber jetzt wird’s ernst, denn die nächste Geschichte (und noch eine zweite…) sind die erste Einsendeübung, die dann auch bewertet – also benotet! – wird. Ich bin so aufgeregt!

Und da ich nicht nur eine Bewertung sondern auch die Bewertung meiner Freunde schätze und haben will, werde ich die Geschichte hier posten. Die Geschichte ist die «Abschlussarbeit» zum Thema «Schreiben für mich» (oder eher «schreiben über mich») und somit erneut biographisch:

Die Herbstwanderung

Schulreisen waren für mich immer ein schwieriges Thema. Die Grosse im Sommer war mir meistens zu anstrengend, die Luft heiss und die Pfade zu sonnig. Das winterliche Pendant zur Sommerschulreise war der Skitag. Hätte ich eine dieser Reisen aus seiner Existenz löschen können, wäre dieses schreckliche und alljährliche Winterereignis der eindeutige Kandidat gewesen. Mit jedem Jahr wurden immer mehr Skis zu Snowboards und ich hatte immer weniger Lust, mich mit meinem Kufenschlitten zu all diesen Winterfanatikern zu gesellen.

Doch da gab es auch noch die Herbstwanderung. Es scheint aus mehreren Gründen auf der Hand zu liegen, warum sie das wenigste aller Übel war. Der Herbst war für mich unsportlichen Zeitgenossen damals natürlich einer der beiden angenehmen Monate. Es war warm genug, um nicht unter dicken Jacken in Schweiss verlaufen zu müssen. Und es war auch kühl  genug, sodass man selbiges auch nicht in T-Shirt und kurzen Hosen tun musste. Was natürlich auch für diesen Ausflug sprach, war der Fakt, dass diese Wanderungen immer in Zusammenhang mit einem aktuellen Naturkunde-Thema stand.

Natürlich besass auch diese eine, spezielle Herbstreise in der sechsten Klasse diese Vorteile. Sie sollte an einem Montag stattfinden und wir begannen in der Woche davor mit den Vorbereitungen.

Das Thema waren Ameisen und wir sollten auf dem Berg in der Nähe, dessen Namen ich nie wusste und durch welchen sich ein Autobahntunnel schlang, nach Ameisenhaufen suchen. Wir bildeten kleine Teams und verteilten darin Aufgaben. Ich musste für die Experimente eine blaue Blumenblüte und ein Stück Kreide mitnehmen. Alle wunderten sich, wofür die Blüte wohl sein könnte, doch ich wusste es. Wenn das Gift der roten Ameisen auf das blaue Blatt spritzte, würde es sich an diesen Stellen gelb verwandeln. Ich wusste gar, dass dies aufgrund der Säure im Gift war. Ich erzählte jedoch nichts und freute mich innerlich schon sehr auf die verwunderten Gesichter meiner Schulkameraden.

Das Wochenende kam und bei jedem Blick aus dem Fenster sah ich diesen Hügel, welchen wir in weniger als zwei Tagen besteigen würden. Ich war glücklich und hatte wahrscheinlich kein anderes Thema, als das sich verfärbende Blütenblatt. Ich wusste, das würde das Beste sein, was ich jemals gesehen hatte. Dieser Effekt, wie sich die Pigmente von blau zu gelb umentschieden, ich wusste, das musste grandios werden.

Und so kam dieser Montag. Nebelschwaden und unsere Klasse zogen unter der Autobahnbrücke neben jenem Berg vorbei. Wir passierten das alte Hotel, dass jetzt nicht einmal mehr ein Restaurant war und überquerten die Strasse. Unser Lehrer zählte uns durch und es ging los. Es war natürlich wie immer, der Lehrer und all die, die so viel klüger und sportlicher waren als ich, zogen vorneweg los. Es störte mich nicht, war es doch mein alltägliches Brot bei jeder Reise.

Als erster Pausen- und Verpflegungspunkt war die kleine Kapelle gedacht, welche man mit langen Beinen nach Zehn, mit kurzen nach 20 und mit übergewichtigen nach 30 Minuten erreicht. Ich erinnerte mich, mit meinem Vater schon einmal dort gewesen zu sein. Es war ein kleines, weisses Gebäude, dessen Funktion nur durch einen fast unscheinbaren Turm von aussen zu bestimmen war. Es lag, halb im Wald versteckt, an der rechten, unteren Ecke einer langen und sehr steilen Wiese. Ich kam an, setzte mich auf einen noch freien Platz auf einer Bank und holte den Rucksack auf meinen Schoss. Ich zog am Reissverschluss und freute mich auf mein kühles Wasser. Doch genau in diesem Augenblick klatschte der Lehrer zweimal in seine Hände, liess uns wieder durchzählen und verkündete, dass die Pause vorbei war und wir weiter zogen.

Langsam kam in mir nicht nur eine Wut auf den Lehrer, sondern auch die Sonne hinter den Bergen hoch. Ich war allein, schwitzte, konnte nicht mehr, wollte nach Hause und konnte kaum die Tränen unterdrücken. Jeder meiner Schritte brannte in meinen Beinen und ich fürchtete, verloren zu gehen, wenn ich den letzten meiner Kameraden vor mir aus den Augen verlor. Ich strengte mich an, immer mehr und immer stärker, doch ich merkte, dass es keinen Sinn hatte.

Kurz bevor ich umkehren und einfach nach Hause gehen wollte, merkte ich, dass einer meiner Kameraden auf mich zu rannte. Ich hoffe, es wäre einer von denen, die ich zu meinen Freunden zählte. Einer, der mir helfen wollte. So war es aber nicht. Er war einer von denen, die ich die meiste Zeit ganz und gar nicht leiden konnte. Er kam dann aber auch nur, um zu sagen, dass ich ein bisschen schneller machen sollte, da der Lehrer nicht ewig Pause am zweiten Punkt machen wollte.

In diesem Moment war meine Entscheidung gefallen. Ich sagte diesem Kameraden, ich ginge jetzt nach Hause. Er könne gern für die Experimente meiner Gruppe meinen Rucksack haben. Er verweigerte, sagte, dies sei meine Verantwortung. Ich erwiderte ein abschätziges Nein, drehte mich um und lief zurück. Dank der Neigung, die nun plötzlich mein Freund wurde, war ich in weniger als 20 Minuten zurück an der Brücke und somit zurück im Dorf.

So wurde diese spezielle Herbstwanderung zwar kein Etappensieg gegen den inneren Schweinehund, eindeutig jedoch einer gegen die pädagogische Unfähigkeit jenes Lehrers.

Ende.

Und für alle interessierten: Ja, natürlich ist es derselbe Lehrer, der mich schon in einer früheren Geschichte gemobbt hat ;)

Wie fandet ihr diese Geschichte?

Ich freue mich über jegliches Feedback.

Gracias und Cheerio – Pfoffdude

«Säure» – Eine ewige Erinnerung

Posted by: on Okt 14, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | One Comment

Hoi zäme! :)
Ich will gar nicht viele Worte darüber verlieren. Es ist die vierte von vier Kurzgeschichten. Mehr Infos dazu und Links zu den anderen Geschichten gibt’s auf diesem Post.

«Säure» – Eine ewige Erinnerung

Ich stehe auf einem Betongebilde und vor mir rotiert eine riesige Schaufel. Die Schaufel dreht sich in einer ebenso beeindruckenden  Vertiefung im Boden. Es ist ein Sonntag und es muss um das Jahr 1997/98 herum sein. Ich bin nicht alleine. Jemand anderes steht neben mir. Er hatte mir versprechen müssen, dass wir uns die grossen Löcher im Boden anschauen gingen. Das war meine einzige Bedingung gewesen. Er ruft meinen Namen und ich drehe mich nach seiner Stimme um. Meine Augen finden ihn nicht, er ist verschwunden. Ich suche mit einem schnellen Blick die grosse Wiese ab, drehe mich zur nahe gelegenen Strasse aber kann ihn auch dort nicht finden. Ich gehe davon aus, dass er sich bei einem dieser Gebäude versteckt. Jenen Gebäuden, die die Schaufeln betreiben. Ich gehe auf eine nahe gelegene Säule zu und mustere Sie. Sie ist hoch und befindet sich unter einer art geschlossener Passerelle zwischen zwei der Gebäude. Ich schaue suchend um mich, finde ihn weder bei der Autobahn noch bei dem Bächlein. Jenem kleinen Dorfbach, über welchen wir überhaupt erst hier einbrechen konnten.

Neben mir bewegt sich etwas. Der säulenförmige Turm hat eine Tür, welche sich langsam öffnet. Ich sehe mich schon erwischt und will mich schnell von diesem Acker machen. Schnell erkenne ich jedoch, dass nur er es ist, der sich im Turm versteckt hat. “Wir müssen hier hoch!”, sagt er freudig und ich betrete nach ihm den Turm. Vor mir steigt er eine Sprossenleiter empor, während unter mir braune Jauche durchrauscht. Ich beginne zu klettern, er schaut runter und mahnt mich, aufzupassen. Würde ich nach unten und in die dreckig-braune Flüssigkeit fallen, würde ich sofort sterben. Oben angekommen erkenne ich, welchen Plan er verfolgt. Er ist mir schon voraus und durch den Tunnel gekrochen, der sich vor meinen Augen ausbreitet.

Der Tunnel ist genau jene Passerelle, die mir vorhin schon auffiel. Als ich von unten schaute, erkannte ich jedoch nicht, dass deren Boden nicht durchgehend , sondern nur ein Gitter ist. Ich kauere auf der einen Seite und beobachte, wie er erwartungsvoll am Boden auf der anderen Seite sitzt. Ich habe angst. Es ist zu hoch. Ich fürchte mich, herunter zu fallen. Ich sage ihm, ich hätte angst vor der Höhe. Er sagte, ich solle nicht nach unten schauen. Alles zureden seiner Seite half jedoch nicht und ich konnte mich nicht durchringen, über diese löchrige Brücke zu kriechen. “Stell dir einfach vor”, begann er, “ich hätte hier einen Hamburger für dich!” Ich drehe mich wütend und meine, dass er mich mit einer Beleidigung schon gar nicht dazu bringen kann. “Warte”, sagt er und wiederholt seine vorherige Aussage. Dieses mal jedoch, ersetzt er Hamburger mit Computer und – warum auch immer – es funktioniert.

Wenige Minuten später bin ich über diese schreckliche Hürde gekrochen und klettere mit ihm aus der Passarelle heraus. Wir befinden uns in einem grossen Raum mit einer eben so grossen Tür. Ich sehe einen Warnhinweis: Man muss beim Betreten dieses Raumes Ohrenschützer tragen. Er geht auf die Tür zu, öffnet sie leicht und schaut mich ernst an. “Du musst dort drin die Ohren geschlossen halten, sonst wirst du radioaktiv verstrahlt!” Ich halte mir die Ohren zu, er reisst am braunen Türflügel. Der Durchgang steht offen und wir rennen durch einen Raum voller wirrer Rohre und anderen Dingen, die wir weder erfassen, noch verstehen können. Auf der anderen Seite stehen wir in einem Treppenhaus und wissen genau, wo wir hin müssen.

Einige Augenblicke später stehen wir im Labor. In der mitte hat es einen Tisch mit Labordingen drauf. Wir suchen etwas, ich bin mir nicht sicher, wonach ich ausschau halte aber es muss in jedem Fall etwas mit Kieseln oder Ameisen zu tun haben. Ich finde nichts und schaue mich nur um. “Da, das ist es!” Ich erwache aus meinen Gedanken und gehe auf ihn zu. Er dreht sich zu mir um und hält eine styropor-Box in den Händen. Mein Bester Freund und die styropor-Box, die unser heiliger Gral zu sein scheint. “Da ist sie drin”, sagt er mit einem unglaublichen glanz in den Augen. “Die Säure!”

Ende

Ich muss sagen, das war wohl einer der aufregendsten Tage in meinem Leben. Die “Geister im Schlafzimmer, Haus oder auf dem Friedhof “-Tage kitzelten die Nerven natürlich auch ganz schön, aber der Säuretag, ja der bleibt ungeschlagen. Diese latente Gefahr erwischt zu werden, die höhenangst, die natürlich nicht vorhandene, radioaktive Strahlung. Ein Tag aus Angst, Spannung und Hoffnung. Und ja, wir waren wirklich dort, um Säure zu stehlen. Und nochmal ja, es hatte auch wirklich Säure in jenen styropor-Boxen.

Ich glaube es waren acht oder zehn Reagenzgläser, die mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt waren. Wir holten alte Konfitüre-Gläser bei meiner Mutter und gingen in jene Halle, die ich in der ersten Geschichte erwähnte, mit de Säure spielen. Wir wollten herausfinden, welche Art von Säure es ist und unser Ergebnis war: Es war keine Kieselsäure, sondern Ameisen-, Käfer-, Blatt- oder Erdensäure. Wie wir das herausfanden will ich jetzt nicht erzählen. *haha*

Weiter ist auch noch interessant zu erwähnen, dass wir einer latenten Gefahr ausgesetzt waren, welcher wir uns gar nicht bewusst waren. Wir wollten unsere Experimente eigentlich mit Jogurt-Bechern machen. Zum Glück hatte es nur Konfitüre-Gläser.

Kleine Kinder und Säure, was für ein Spass das war – hui! Und wer mir nicht glaub, darf gerne die wahrscheinlich noch Heute vorhandenen,  Bodenverätzungen anschauen gehen, die unsere Ameisenkäferblatterdensäure gemacht hat, nachdem sie uns gelangweilt hat und wir sie einfach auf den Boden gekippt haben.

So, das war’s mit den Geschichten. Vielleicht werde ich morgen noch ein kleines Resumee diesbezüglich posten. Ja, das wäre eigentlich eine gute Idee.

Ich hoffe, ihr hattet euren Spass oder auch euer Mitgefühl an den Geschichten. Jegliche Kommentare, Kritiken und so weiter sind natürlich sehr willkommen.

Cheers, euer Pfriter

«Der Lehrer» – Meine grösste Enttäuschung

Posted by: on Okt 13, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | 8 Comments

Dies ist nun schon die dritte von vier biographischen Kurzgeschichten, die ich am Montag angedroht hatte. Sie ist die einzige, die einen sehr negativen und somit auch wunden Punkt meines Lebens anspricht. Ich hoffe, ich kann sie trotzdem spannend und mit gleichem Willen schreiben, wie die vorherigen zwei. Natürlich ist auch hier wieder das Ziel Orientierung, Problem, Bewertung und Auflösung als Geschichtsabschnitte einzubinden.

«Der Lehrer» – Meine grösste Enttäuschung

Ich war immer eines dieser Kinder, das die Lehrer mochten. Ausser an Mathe, war ich an allem interessiert und auch durch’s Band gut. In meinem Heimatort ist es so, dass man in der Primarschule alle zwei Jahre den Lehrer wechselt. Wir hatten einen etwas anderen Ablauf und wechselten vom dritten zum vierten Jahr noch einmal mehr als alle Anderen.  Das war aber kein Problem, auch wenn alle unsere neue Lehrerin hassten, ich fand sie und auch ihren Unterricht toll. Gegen Mitte dieses vierten Schuljahres wurden wir dann informiert, welchen Lehrern wir im daruffolgenden zugeteilt wurden. Als ich sah, wem wir zugeteilt waren, hatte ich schon mein erstes mulmiges Gefühl. Es war der Vater meines Erzfeindes.

Ich startete das fünfte Jahr mit einer leichten Angst vor dem neuen Lehrer. Gleichzeitig hatte ich auch noch meinen besten Freund an das Sitzenbleiben-Virus verloren. Ich stand der Gefahr alleine gegenüber. Natürlich redete ich mir ein, dass alles gut kommen würde. Warum sollte mir dieser Lehrer auch etwas schlechtes wollen? Als Lehrer würde er bestimmt objektiv genug sein, diese privaten Unstimmigkeiten aussen vor zu lassen. Leider war dies ein gewaltiger und weit reichender Irrtum. Fehler meinerseits wurden an die grosse Glocke gehängt. Zu schwierige Aufgaben mussten von mir an der Wandtafel gelöst werden. Meine Stärken wurden weder erkannt noch gefördert und schon gar nicht gelobt. Schikane um Schikane, jede Woche, jeden Tag.

Ich hasste ihn. Ich hatte zuvor gedacht, ihm eine Chance geben zu können. Er war nur der Vater meines kindlichen Antagonisten und mir war trotz meines alters diese Objektivität gegeben, die ihm anscheinend fehlte. Ich wurde immer öfter Krank, interessierte mich kaum noch für die Schule und machte keine Hausaufgaben mehr. Dies alles tat natürlich nicht nur mir, sondern auch meinen Leistungen nicht gut. Die Noten sackten in unglaubliche Tiefen und mit ihnen das Vertrauen meiner Eltern.

Das im ersten Moment als glück empfundene Handeln meiner Eltern, ein Problem zu bemerken, führte dazu, dass ich mich ihnen öffnete. Ich erzählte, dass mein Lehrer mich schikaniert. Erzählte, dass er immer vor all meinen Schulfreunden auf Fehlern rumhacke, die ich gemacht hatte. Und so kam es, dass wir eines Abends am grossen Tisch im Schulzimmer sassen. Mein Lehrer, meine Eltern und ich. Der pädagogische Anführer ergriff das Wort und redete auf meine Eltern ein. “Was ist denn nun das Problem? Was hat René denn? Er ist eigentlich ein netter Junge. Ich versuche ihn zu untestützen. Ich will das Beste für ihn.” Meine Eltern schauten mich fordernd an. Der Lehrer schaute mich noch fordernder an. Er sagte, mit seinen starken und perfekt gewählten Worten, dass ich doch nun nur ein Beispiel nennen soll, wie er mich denn schikaniere. Ich sass auf dem harten Holzstuhl, sah kaum über die grüne Tischplatte aber dafür direkt in die fordernden, grossen, bösen Augen des Lehrers. Ich versuchte in den Augen meiner Eltern schutz zu suchen, fand ihn aber nicht. Sie waren alle so gross und ich war so klein. Ich sagte nichts. Es gab so vieles, aber ich sagte nichts.

Einige unangenehme Momente später sassen wir im Auto und ich hörte mir eine lange Schelte mit Vorwürfen der Zeitverschwendung und Blossstellung an. Ich entschied mich, nichts mehr zu sagen. Nie mehr. Auch beim Lehrer hatte das Gespräch Auswirkungen. Er entschied sich schlussendlich dafür, seine pädagogisch wertvollen Schikanen zu verstärken.

Ende

Und ich sag’ euch eins, wäre das nicht so passiert, hätte ich bestimmt schon einen Bestseller geschrieben. Aber es wären auch so viele, so gute Freundschaften niemals zustande gekommen, dass es vielleicht sogar gut so war? Gleichzeitig darf ich natürlich auch nicht behaupten, dass nur eine einzelne Person an allem negativen schuld war. Aber dieser fiese Mistkerl hat schon seinen sehr wichtigen Beitrag zur Entfaltung meiner schlummernden Faulheit beigetragen.

Jetzt noch schnell die Abschnitt-Analyse:  Die Orientierung findet hier natürlich als Beschreibung meiner Person als Schüler statt. Das Problem entsteht, als ich diesem Lehrer zugeteilt wurde und mein bester Freund nicht. Die Bewertung liegt auf der einen Seite in der Erkenntnis, dass ich jenen Lehrer hasse und andererseits (am Anfang des dritten Abschnitts) darin, dass ich die Reaktion meiner Eltern zuerst als positiv bewerte. Die negative Auflösung ist in diesem Fall das Lehrer-Eltern-Schüler-Gespräch und die daraus entstehende Erkenntnis, dass man nicht auf meiner Seite ist. Genau diese Erkenntnis, dass man mich nicht ernst nimmt, war die bisher enttäuschendste in meinem ganzen Leben.

Ich hoffe euch hat das Lesen mehr spass gemacht als das Schreiben mir.

Cheers, Pfoff.

«Meli» – Meine erste Verliebtheit

Posted by: on Okt 12, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | 7 Comments

Hier kommt nun eine weitere Geschichte, des biographischen Vierteilers, den ich Gestern angekündigt habe. Die Aufgabenstellung diesbezüglich ist es, von der ersten Person zu erzählen, in welche man verliebt war. Dies natürlich erneut unter der Berücksichtung der vier Abschnitte einer Geschichte: Orientierung, Problem, Bewertung und Auflösung. Nun denn, auf zur Geschichte.

«Meli» – Meine erste Verliebtheit

Ich habe Meli wohl am ersten Tag des Kindergartens kennen gelernt. Sie wohnte gleich die Strasse runter neben der Primarschule und es würde sich einbürgern, sie die folgenden zehn Jahre lang periodisch darauf hinzuweisen, dass sie den kürzesten Schulweg hatte. Damals wurde sie von den meisten und heute wohl von den meisten Meli genannt. Ihr richtiger Name war Melanie und sie war das älteste von drei Kindern. Ihre Mutter war eine gute Freundin meiner Mutter und so kam es, dass ich oft bei Melis Familie eingeladen war. Wir spielten und bastelten oft in dieser Dachwohnung, die mir so viel spezieller erschien, als unsere eigene.

Eines plötzlichen Morgens fragte mich jemand, es war mein Vater oder mein Bruder, ob ich denn schon eine Freundin hätte. “Nein.” – “Bist du denn in eine verliebt?” – “Ja.” Ich gab diese Antworten, ohne wirklich darüber nachzudenken. Und so verblüffte mich die darauffolgende Frage nach einer Person auch etwas. Ich überlegte, welche Mädchen ich kannte. Melanie. Sie war die erste, die mir in den Sinn kam. Natürlich waren mir auch andere Mädchen bekannt: Andrea, Barbara, Jessica und noch mehr. Alle hatten sie für mich den gleichen Stellenwert, doch Melanie war der erste und auch gleich ausgesprochene Name.

An dieser Stelle begannen dann die Gedanken in mir zu rotieren. Mir war klar, diese offensichtliche Verliebtheit würde alles verändern. Der männliche Verwandte, der mir diese Fragen gestellt hatte, hatte einen Stein in’s rollen gebracht, der nicht mehr gestoppt werden konnte. Ich wusste, ich musste etwas unternehmen. Etwas, das man eben macht, wenn man verliebt ist. Ich musste also einen Liebesbrief schreiben.

Ich begann damit, ein kariertes Blatt Papier mit gelbem Leuchtstift vollzumalen. Es war eines dieser dunkelbraunen Ökopapiere mit den grünen Häuschen darauf. Der Leuchteffekt blieb grösstenteils aus, doch war es aus meiner Sicht leuchtend genug. Ich griff mir den Füller und begann auf das noch feuchte, gelbe Papier zu schreiben. Es sah toll aus. Die quadrätchen auf dem Papier erschienen gräulich-schwarz unter dem gelben Filter. Die blaue Tinte, die aus der Feder auf  das Blatt lief, vermischte sich gerade genug, um noch scharf und trotzdem grün glitzernd zu erscheinen. Der Brief war fertig, wurde mit einem Willst-du-meine-Freundin-sein?-Ja-Nein-Feld ergänzt und der Konservation wegen, mit Klarsicht-Klebeband überklebt.

Beim Turnunterricht am nächsten Tag  erhielt Meli dann meinen Brief auf den Sportplatz. Sie stand vor mir auf dem roten, kornigen Boden und ich streckte ihr den Brief entgegen. Sie nahm ihn an, las ihn und sagte: “Ja.”

Ende

ja, so war das, mit meiner ersten Verliebtheit. Ich erinnere mich hierbei noch ganz genau an den Tag, wo man mich gefragt hat, in wen ich verliebt bin und ich weiss auch noch ganz genau, wie ich diesen Brief gebastelt habe. Bis auf die Frage am Ende des Briefes weiss ich jedoch nicht mehr, was ich überhaupt geschrieben habe. Wahrscheinlich war es nur ein einziger, krakeliger und nicht sehr origineller Satz. Aber was erwartet man auchvon einem Kindergärtner!?

Nun wieder zu den vier Teilen der Geschichte, die ich hier wiederum versucht habe, in die einzelnen Absätze zu Quetschen. Im ersten Abschnitt versuche ich zu orientieren, wo ich bin, wie alt ich bin und wie diese Freundschaft mit dieser Melanie zu stande kam. Im Zweiten entsteht das Problem der Verliebtheit. Möglicherweise ist das eigentliche Problem auch, dass ein 6 jähriger Junge nach dem Verliebtsein gefragt wird. Das will ich auch im nächsten Abschnitt aufzeigen: Ich bewerte die Situation damit, dass jetzt eine plötzliche, spezielle Last auf mir liegt. Ich musste plötzlich Dinge tun, deren eigentlichen Zweck ich gar nicht verstand. Zum Schluss, im vorletzten Abschnitt dann, die Lösung, dass ich eben diesen Liebesbrief herstelle. Der letzte kurze Abschnitt ist eine Art Epilog, der aber natürlich auch noch zur Lösung gehört. Ich wollte da einfach einen neuen Absatz :)

Eine lustige Anekdote noch: Melanie hat bis Heute nie mit mir Schluss gemacht. Somit sind wir nach kindergärtlichem Gewohnheitsrecht noch immer Zusammen. Unglaublich!

Cheerio, Pfoff

«Domi» – Meine früheste Kindheitserinnerung

Posted by: on Okt 11, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | 5 Comments

Dies ist eine Kurzgeschichte, die sich auf meinen vorherigen Post bezüglich meines “Autorenstudiums” bezieht. (hahahaha ich muss bei dem Wort Autorenstudium immer lachen)

Nun denn, dies ist die erste von vier biographischen Kurzgeschichten und sie beschreibt meine früheste Kindheitserinnerung:

«Domi» – Meine früheste Kindheitserinnerung

Es ist ein schöner Sommertag und ich spiele draussen. Ich bin drei oder vier Jahre alt. Möglicherweise bin ich sogar schon fünf. Das wäre jedoch ein wenig seltsam, da es sich ja um die früheste Kindheitserinnerung handelt. Bestimmt jedoch, spiele ich mit Andrea, der etwas jüngeren Nachbarin vom Hochparterre. Wir spielen Fangen, Verstecken, beides oder nichts davon. Ich renne wild auf der grossen Wiese vor dem Block herum. Plötzlich jedoch werde ich durch ein Rufen unterbrochen. “René!”, ruft es laut und scheinbar erfreut von einer unbekannten Ecke herunter.

Im vierten Stock, dem obersten jenes Gebäudes, steht ein Junge auf dem Balkon. Er winkt mir zu und ruft wiederholt meinen Namen. Ich drehe mich um, schaue hoch zu ihm und winke zurück. Dann öffne ich meinen Mund und stelle die Frage, die mir auf der Zunge brennt: “Wer bist denn du?” Der Junge scheint auf diese Frage nicht vorbereitet zu sein und schaut mich verdutzt an: “Ich bin’s! Domi! Kennst du mich nicht mehr?”

Domi steht auf dem Balkon und versteht die Welt nicht mehr. Sein bester Freund erkennt ihn nicht mehr. Sie haben doch bis jetzt immer zusammen gespielt und jetzt hat er das alles vergessen? Er sieht René, wie er neben dem grossen Baum mit den roten Blättern steht und fragt ihn, laut rufend, ob er mitspielen darf. Nachdem René dies bestätigt geht er durch’s Wohnzimmer am Kamin vorbei zur Eckbank, wo seine Mutter gerade etwas mit seiner kleinen Schwester macht. Er fragt sie, ob er mit René spielen gehen darf und auch sie bestätigt das. Er geht in die Diele und macht sich bereit.

René geht zur Treppe, die von der grossen Wiese nach unten zur Halle führt, welche ihrerseits wiederum unter dem Block und der grossen Wiese hindurchführt. Nach einigen kindlichen Momenten, die wohl ewig gingen aber wie Sekunden erschienen, die mit Informationen für Stunden vollgepackt waren, kam dieser Junge mit dem Namen Domi die Treppe hinauf. Er fragte, was sie spielen wollen und René schlug vor, dass sie “um den Block gingen” und er ihm dann erzählt, wie sie sich laut Domi kennen gelernt hätten. Genau das machen sie auch, René und Domi gehen um die zwei grossen Gebäude herum und kommen wieder bei der Treppe an. Domi hat alles erzählt und René kann sich an nichts erinnern, aber die Freundschaft ist trotzdem widerhergestellt. Während sie die Treppen emporsteigen sagt Domi noch beiläufig, dass er nie mehr so lange in die Ferien gehen wird.

Ende.

Ja, das war sie, die erste meiner Kindheitserinnerungen. Und ich weiss auch, dass es nicht sehr für mich spricht, dass ich während nur 3-6 Wochen einfach so meinen besten Freund vergessen hatte. Aber seien wir mal ehrlich: Ich bin halt einfach so :D

Ich muss hier noch sagen, dass jeder Absatz für eine der vier Stationen einer Geschichte stehen soll. Zuerst kommt die Orientierung: Wo bin ich? Was tue ich? Dann das Problem: Ich kenne diesen Jungen nicht. Die Bewertung: Der Junge seinerseits ist verwirrt, dass ich ihn nicht mehr kenne. Die Auflösung: Er war einige Wochen in den Ferien und ich habe ihn deshalb vergessen.

cheers und vielen Dank für’s Lesen.

Pfoff

Anthropostorie – Eine Geschichte von Menschen

Posted by: on Sep 15, 2010 in Kurzgeschichten, Text | 2 Comments

Seit kurzem treffe ich immer wieder auf seltsame Charaktere und gerate in Situationen mit ihnen, die genau so seltsam sind. Ich nehme nun einige von diesen und versuche, sie in einer Geschichte miteinander zu verknüpfen. Vorab: Es sind alles Frauen, nicht weil ich Frauen blöd oder per se seltsam sind, sondern weil die letzten Begegnungen der seltsamen Art halt eben mit Frauen stattfanden.

Anthropostorie – Eine Geschichte von Menschen

Es ist Mittwoch und Xenia bereitet alles für den kommenden Abend vor. Wie jeden Mittwoch Abend, wird auch Heute wieder der somit wöchentliche Frauenabend stattfinden. Xenias Freundinen, von welchen nicht alle wirklich ihre Freundinnen sind, werden gegen zwanzig Uhr bei Ihr ankommen. Sie ist im Schuss und freut sich. Sie und auch ihre Freundinnen wissen, dass Xenia die perfekte Wahl als Veranstalterin dieser Treffen ist. Sie planten, sich abzuwechseln, doch schon nach einigen Monaten war klar – auf allerseitiges Wünschen – dass Xenia diesen Job fix übernehmen wird. Man könnte nun meinen, Xenia hätte diesen Frauenabend selbst ins Leben gerufen. Zuzutrauen wäre es ihr, das bestreitet niemand. Aber, so unglaublich dies auch noch erscheinen wird, es war Lieses Idee.

Es ist jetzt 19:30 Uhr und genau diese Liese steht ausserhalb des Lichtkegels der Strassenlaterne vor Xenias Haus. Sie schaut aus dem Dunkel in den hell erleuchteten Wohnzimmerpalast Xenias. Eliane ist bereits da und hat es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. Was auch immer gemütlich für Eliane bedeutet, denkt sie und dreht sich vom Fenster weg. “Ich bin zu früh”, grummelt sie leise vor sich hin und geht weiter, um noch eine oder zwei Runden um das Viertel zu drehen. Auch wenn es ganz offensichtlich kein Problem ist, zu früh zu sein, schätzt sie es, sehr pünktlich oder vielleicht sogar eine halbe Minute zu spät zu sein. Einmal alle zusammen zu begrüssen ist in jedem Falle besser als jeden einzeln.

Eliane sitzt auf dem Sofa. Sie ist leicht genervt vom Fakt, die Erste zu sein. Als sie vor einigen Momenten das Wohnzimmer betrat, fragte sie, wie immer, überrascht, ob sie die erste sei. Xenia bestätigte, auch wie immer, dass dies so ist. Heute jedoch war etwas anders. Eliane seufzte und meinte: “Ich bin immer die Erste.” Xenia räusperte sich und meinte unverblümt, dass Eliane ja auch am meisten Zeit hat. Das hatte Elianes Stimmung gar nicht gut getan. Jetzt sitzt sie auf diesem Sofa, dessen Designer sie erwürgen würde und gesteht sich selber ein, dass es um ihre Stimmung sowieso nie wirklich gut steht.  Aber wehe, denkt sie weiter, das unterstellt mir Heute jemand.

Es klingelt. Xenia hüpft aus der Küche an Eliane vorbei, bewegt ihren mächtigen Oberkörper in deren Richtung und meint überrascht: “Du bedienst dich, gell.” Eliane reagiert mit einem müden Nicken in Xenias Richtung.  Diese jedoch ist bereits weiter, hat das Nicken weder gesehen, noch sich dafür interessiert und öffnet die Tür. “Susanne”, hört Eliane Xenia ausrufen. Küsschen, Küsschen und die beiden betreten den Raum. “Hallo Eliane.” Xenia und Eliane wissen beide, wie Susanne das meint. Susanne ihrerseits weiss auch, dass ihre nicht sehr unterschwellige Nachricht angekommen ist. Sie setzt sich auf den Einzelsessel und versucht, während Xenia wieder in die Küche verschwindet, mit Eliane einen Smalltalk zu beginnen.

Wie war dein Tag? Wie läufts mit dem Mann? Wie war das Wetter? Wie läufts mit der A…

Die Tür ruft erneut mit ihrem hohen und klirrenden Ton nach Öffnung. Eliane und auch Susanne atmen erleichtert aus und letztere springt von ihrem Stuhl auf. “Ich mach schon auf!”, ruft sie zur Küche und spaziert zum Eingang. Eliane hört ein der Türklingel ähnliches, schrilles “Silvia” von Eingang hallen. Xenie betritt das Wohnzimmer, schaut umher, ignoriert Eliane und erkennt leise für sich, dass jetzt nur noch die Liese fehlt.

Silvia und Susanne setzen sich und Silvia beginnt zu erzählen, was sie unbedingt los werden will. “Das glaubt ihr nicht…” Susanne und Xenia schauen sich an und grinsen. Sie werden es in jedem Fall glauben, sie glauben es immer, auch wenn – und eigentlich vorallem dann – wenn Silvia mit diesen Worten anfangt. “Ich habe die Liese gesehen, sie schleicht um das Viertel umher. Ob sie wohl vergessen hat, wo Xenia wohnt?” Alle ausser Eliane beginnen zu lachen und amüsieren sich über diese neue Anekdote über Liese. Eliane räuspert sich, bekannterweise offensichtlich genervt, wie sie es immer tut, und beginnt ihrerseits zu sprechen: “Ja, das verschrobene Biest hat mich vorher durch das Fenster angestarrt.” Das Lachen der anderen verstummt und sie schauen sich etwas Ratlos an.

Der Minuten Zeiger Xenias Kaminuhr springt eine Satz von der 12 weg und die Klingel erneut ein letztes Mal für diesen Abend. Liese ist da.

Jetzt sind sie alle beisammen. Susanne sitzt im Sessel. Xenia und Liese auf dem Doppelteil. Und Silvia teilt sich den Dreier mit Eliane. Es ist zwanzig Uhr dreissig, die bisherige Zeit bestand aus jeweilig kurzem Aufflackern von belanglosen Themen. Silvia zum Beispiel erzählte von ihrem “Speicherblock”, welchen sie ihrem liebsten Kollegen im Büro hätte bringen sollen, dieser war aber nicht da und so musste sie eben, diesen Block mit den Bildern einfach auf dessen Arbeitsplatz legen und eine Mail schreiben. “Und heute Abend”, erzählte sie brüskiert, “wollte ich dieses Klötzchen wieder holen gehen und noch mit ihm reden, aber da war der schon gegangen. Um 16 Uhr! Das ist unglaublich.” Sie erhielt gemischte Reaktionen. Die andere nickten, machten irgend ein Geräusch oder schauten, wenn sie Eliane hiessen, gelangweilt aus dem Fenster. Seit einigen Minuten sitzen sie jetzt einfach da.

Was macht, wie geht’s, wann, wie, wo, warum? Und sonst?

Niemand erzählte etwas. Nicht, dass sie nichts zu erzählen gehabt hätten, aber die anderen hätte es nicht interessiert. Auf einmal ergreift Susanne das Wort und richtet es an Liese. “Wie geht’s eigentlich deinem Sohn? Der Nick, so hiess er doch, oder?” Liese nickt und schaut Susanne an. “Der muss doch jetzt auch schon 16 sein, oder? Macht er eine Lehre? Studiert er?” Susanne merkt nicht, dass die anderen etwas verwundert sind und Eliane gar wütend zu sein scheint. “Muss ja Jahre her sein, dass ich den zuletzt gesehen habe. Wann war das? Null-Fünf?” Liese scheint zu überlegen und nickt wieder. “Das ist ja so ein Süsser, der hat bestimmt eine Freundin, oder?” Liese schaut Susanne mit ihren so nichtssagenden Augen an. “Das…”, sagt sie direkt und Emotionslos wie immer, “Das kannst du Eliane fragen, das ist ihr Sohn, ich habe keinen.” Susanne reisst erstaunt ihre Augen auf, wie sie das immer tut, wenn etwas sie schockiert und dreht ihren Kopf zu Eliane. “Untersteh dich!”, fährt aus dieser heraus, “Du bist echt ‘ne hohle Nuss.”

Erneute Stille durchzieht den Raum.

“Heute ist was passiert!” Xenia will zur Lockerung dieser Szenerie ihre Tagesanekdote erzählen. “Ich hatte nur zwei Kunden im Restaurant und ich begrüsste sie, indem ich einfach diese Melodie von diese A-Team Film zu singen begann.” Etwas entrüstet und erstaunt richten die anderen ihre Blicke auf Xenia, welche genau diese Melodie zu summen beginnt. “Die fanden das toll, sag ich euch.” Eliane überlegt sich indes, wie toll die das wohl fanden. Sie stellt sich vor, wie diese Kunden im Restaurant sitzen, sich dieses geträller gefallen lassen, eine gute Miene machen, sich aber denken, dass sie nie mehr dort hin gehen werden. Ein erstes, einziges und für diesen Tag letztes aufflackern eines lächelns zittert an ihren Mundwinkeln.

Xenia erzählt weiter: “Dann hat der Pete, diese dumme Nuss, einfach von unserer Cola getrunken. Ich sagte ihm, das wäre gestohlen und … ja aber der verstand das nicht.  Item. Ich ging zu jenen Kunden und erzählte ihnen von Superman, weil der eine, der hatte so eine blaue Jacke…” – “Eine blaue Jacke?!” Susanne unterbricht Xenia. “Da hab ich Heute auch einen gesehen. Der hatte mit seinem Kumpel auf den Zug gewartet, den Zug den auch ich nahm und die haben geredet. Und als ich da vorbeiging, hat der plötzlich von Brüsten erzählt. Ich meine, einfach so in der Öffentlichkeit. Ich konnte es nicht fassen. Ich war so verwirrt. Und das schlimmste war, dass die dann auch noch erste Klasse fuhren!” Susanne war schon wieder ganz wütend und regte sich auf. Keiner sagt etwas, es ist still. Nur das erregte Atmen von Susanne füllte den Raum.

“Ach…”, durchbricht Xenia die Stille, “Susanne…”

Sie schaut sich um und wendet sich an Eliane. “Und, was hast du so gemacht?” Eliane will darauf antworten, doch Susanne fährt ihr in’s wort und ruft spöttisch, dass sie natürlich nichts gemacht haben wird. Eliane zieht ihre Stirn zusammen und grummelt vor sich hin. Liese schaut zu Eliane. “Ihre Stimmung ist wohl im Keller.” Silvia lacht laut auf. “Wie immer!”, plärrt aus ihr heraus.

“Ich hasse euch.” Eliane steht auf und stampft zur Tür. “Ihr dreckigen Fotzen!” Und sie ist verschwunden.

In neuer, erdrückender Stille, starren sich die übrigen Frauen nur noch an. Sie Fragen sich, warum sie das eigentlich immer und immer wieder weiderholen. Keine fragt danach, keine würde auf diese Frage antworten. Sie wissen, warum sie sich immer wieder miteinander abgeben. Auch wenn sie sich nichts miteinander gemeinsam haben, gibt es ein Attribut das sie verbindet. Sie wollen und werden es sich niemals eingestehen. Den Gedanken daran versuchen sie schon im Keim zu ersticken aber das ändert nichts an der Wahrheit: Niemand anderes würde sich mit ihnen abgeben.

Ende.

Ein trauriges Thema, nichtwahr? :) (haha und ich mache danach ein lachendes Emoticon haha)

Wie ich Anfangs gesagt habe, basieren die Charaktere auf Personen und Situationen, die mir vor kurzem passiert oder begegnet sind. Jetzt seht ihr mal, was mir alles so übern’ Weg läuft, tagein und tagaus.

Und damit sich auch auf keinen Fall jemand angepsrochen fühlt: Keine der charakterbildenden Personen (bzw. Frauen) kenne ich und habe sie nur höchstens zwei Mal in meinem gesehen.

Wie fandet ihr mein kurzes Sozialdrama? *haha*

cheers, der Pfoff

šingo ist bereit!

Posted by: on Sep 13, 2010 in Text | 10 Comments

Wie hoffentlich erwartet werde ich nun den Schleier vom seltsamen, vorhergehenden Post, lüften. Der Titel von diesem lautete ja bekannterweise šingo ešta redīd! Dies (und auch der ganze Rest des Posts) ist – trotz meines offenbar häufig fremdländisch scheinenden Schreiben – eindeutig als nicht-deutsch erkennbar. Wer mit mir auf Facebook befreundet ist, hat vielleicht schon einige Male bemerkt, dass ich seltsame Dinge, auf seltsam scheinende Sprachen schreibe. Vor kurzem habe ich dort auch angetönt, dass ich eine Sprache erfinden will.

Achtung, achtung: Erinnerungsmodus.
Es wird wohl den Einen oder Anderen geben, der mein Blog schon länger liest. Kann sich vielleicht noch an dies erinnern: Hämyünú! Migitié… Ja, Sprachen – und vor allem dabei von mir selbst entwickelte solche – sind für mich nicht erst seit Gestern ein hochinteressantes Thema. Und wenn wir grad’ dabei sind: Ja, Migitié gibt es noch. Nicht, dass ich es viel bräuchte oder noch daran entwickeln würde. Aber die Schrift kommt noch immer ab und an zum Einsatz :D Aber das ist ein anderen Thema. Kommen wir zurück zu šingo.

Was ist šingo und wofür brauche ich das?
Anders als bei Migitié erfinde/erfand ich šingo nicht direkt für mich, sondern eher für Menschen in einer fiktiven Zukunft, welche alle dieselbe, eine zukünftige Weltsprache sprechen. Ich überlegte mir die Entwicklung dieser Sprache zuerst in erster Linie als reine Recherche zu entwickeln. Ich entschied mich aber später dazu, das Alles etwas ausführlicher auszutüfteln und dann einige – oder alle – Kaptiteltitel meiner nächsten Geschichte in dieser Sprache zu schreiben.

So habe ich das nun gemacht, schön getüftelt, gefeilt und bin schlussendlich auf das Resultat gekommen, dass ihr euch im vorherigen Post ansehen konntet. Bevor ich auf die Details zu dieser Sprache komme, noch einiges zum vorherigen Post. So könnt ihr ihn euch in’s Gedächtnis zurückrufen, versteht vielleicht schon ansatzweise meine Überlegungen und interessiert euch mehr dafür.

So, was also wollte uns der letzte Post sagen?
Vorneweg: Ich hatte einen Schreibfehler – aber ich muss ja auch in selber erfundenen, eigenen Sprachen noch immer ich bleiben haha. Das erste tan bei ia’to, tan ešta redīd: ai fāmiḡta šingo! müsste eigentlich ten heissen. Aber das ist ja nicht so schlimm.

Hier also nochmal der Text vom letzten Post auf šingo:

ia’to, ten ešta redīd: ai fāmiḡta šingo

mâ, šingo ešta nani?
šingo ešta fiqšonid end pafeqtid stu-go. “mošaid bred-dšin”, aid šin-stori, šingo fāmiḡtan dēr. ai qonfesta: âd “pafeqtid end logiqid” eštano honto. si hontoid sakai-go eštastu, ioidmor eštastu.

mēbi, iū īwenta iū: wai, ai šita tât šiong. posi eštašte, ai īsid desqribšontaštesi sõ go. honto ešta, ai hâfta plan: sõ go eštastu tšapta-tītel of neqstid stori. tū, ten sûrid ešta ioid rešerš.

end hīr, iūtī vũta: dō, â‘pel riaqta šinid go: [Bild]

ešta spā, hontono?

mormorid end lāfid grītī
Pfoffī

Und jetzt auf Deutsch:

Endlich, es ist bereit: Ich erfinde šingo.

Aber, was ist šingo?
šingo ist eine fiktive und perfekte Zukunftssprache. “Der letzte Bäcker”, meine neue Geschichte, šingo wird dort erfunden. Ich gebe zu: Die Anpreisung “perfekt und logisch” ist nicht wahr. Wenn es eine echte weltsprache geben wird, wird sie besser werden.

Vielleicht fragt ihr euch: Warum ich diesen Aufwand betreibe. Die Möglichkeit bestand, dass ich die Sprache einfach beschrieben hätte. Die Wahreit ist, ich habe einen Plan: Diese Sprache wird die Kapiteltitel der nächsten Geschichte. Auch ist es sicher eine gute Recherche.

Und hier, seht ihr: Wie Apple auf die neue Sprache reagiert: [Das Bild der "šingo-Tastatur" von Apple]

Das ist super, nicht wahr?

Viele und liebe Grüsse
Pfoffie

Ich habe versucht, die deutsche Version grammatikalisch so ähnlich wie der originale šingo-Text halten. Das ging natürlich nicht immer, da sich die Grammatik von šingo nur teilweise mit der vom hohen Deutsch deckt.

Was hat šingo denn für Attribute, was zeichnet es aus, warum ist es die perfekte Zukunftssprache?
Also, was macht šingo zu šingo. Da gibt es einige Punkte:

  • Das šingo-Alphabet:
    Das wahrscheinlich wichtigste Attribut von šingo ist das Alphabet. Ich habe mir dazu bereits bei der Entwicklung von Migitié gedanken gemacht. Ich sagte mir, ein besseres Alphabet als das unsere muss mit sprachbezogener (oder auch von diesen unabhängiger)  Unlogik aufhören. Hier gibt es – aus meiner Sicht – einigen nachholbedarf. Ich werde jetzt nicht all zu tief darauf eingehen, aber ich habe zb unlogische Buchstabenverbindungen (wie sch, ch, ie, ng).
    So stellt zum Beispiel das oft verwendete š stimmlich das deutsche sch dar.
    Weiter wird auch auf die Existenz von Grossbuchstaben aufgrund des Fehlens eines Mehrwerts verzichtet.
  • Die Grammatik:
    Singo baut auf einem einfachen Generiksatz auf: Subjekt-Verb-Objekt. Dies ist auch bei Deutsch, Englisch und noch vielen mehr normalerweise der Fall. Die jetzt bekannten Sprachen lassen jedoch – entstehungsbedingt – sehr viel Spielraum für grammatikalische Umordnungen und Anpassungen. Die erscheinen im ersten Augenblick handlich, erschweren das Schreiben und lesen aber mehr und sollten somit, wenn möglich vermieden werden.
  • Die Wortarten:
    In šingo gibt es nur zwei Wortarten: Nomen und Partikel. Die Partikel, eine kleinere Gruppe von Wörtern, werden gebraucht um einzelne Nomen, Adjektive oder Sätze zu verbinden oder ihnen einen anderen, weiteren Sinn zu geben. So gehören Worte wie aber, und, oder, dieser oder auch zu den Partikeln.
    Die Nomen auf der anderen Seite stellen immer den Wortstamm – als Nominalwort – dar. Mit Suffixen kann aus jedem Nomen ein Adjektiv, ein Verb und alles weitere erstellt werden. Die Chance von Schreibfehlern kann somit auf ein Minimum gesenkt werden.
    Ein Beispiel: fiqšon – auf Deutsch: Fiktion. Mit der Suffix “id” kann man aus dem Nomen Fiktion einfach das Adjektiv fiktiv machen: fiqšonid. Man könnte natürlich auch ein Verb daraus machen, aber nicht in jedem Fall machen die Verb-, Adjektiv- und anderen Formen einen Sinn. Es ist jedoch nützlich, Worte wie “hausig” oder “äpfeln”  einfach so benutzen zu können, wenn diese plötzlich notwendig werden würden.
  • Die Wortherkunft
    Wer den Text gelesen und ein bisschen geforscht hat – oder sich auch mal das Wort fiqšon angeschaut hat, wird erkennen: Das kommt mir irgendwie bekannt vor.
    Ja, die Wortstämme aller wörter von šingo haben ihren Ursprung in irgend einer der momentan bekannten Weltsprachen. Dies hat mehrere Gründe: Zum Einen wird in meiner Geschichte šingo zum Grossteil von einer weltweiten Webcommunity generiert (zumindest das Vokabular). Dies hat natürlich zur Folge, dass Worte aus bereits bestehenden Worten entstehen und schlussendlich das beste, am einfachsten zu benutzende Wort gewinnt. (Einige Beispiele: mâ – fr: mais – aber / mēbi – en: maybe – vielleicht / honto – jp: honto – Wahrheit)
    Zum Anderen muss eine Weltsprache zwangsweise auf Bekanntem aufbauen. Ansonsten hat sie keine Chance, vom Gros der Menschen akzeptierbar und gar lernbar zu sein.

So, ich glaube, das war’s soweit mit šingo. Wenn jemand Frage(n) dazu hat, kann man natürlich gerne kommentieren oder mir ne Message zusenden.

Oh, nur noch etwas: Wer wissen will, wie der šingo-Post ausgesprochen klingt, kann sich das hier anhören:

So, das war’s – glaub ich – wirklich. Wie fandet ihr das Keyboard, das Apple (also ich :) haha) für šingo erfunden hat?

Cheerio, euer Pfoff, der Linguini.

šingo ešta redīd!

Posted by: on Sep 10, 2010 in Text | 4 Comments

ia’to, tan ešta redīd: ai fāmiḡta šingo!

mâ, šingo ešta nani?
šingo ešta fiqšonid end pafeqtid stu-go. “mošaid bred-dšin”, aid šin-stori, šingo fāmiḡtan dēr. ai qonfesta: âd “pafeqtid end logiqid” eštano honto. si hontoid sakai-go eštastu, ioidmor eštastu.

mēbi, iū īwenta iū: wai, ai šita tât šiong. posi eštašte, ai īsid desqribšontaštesi sõ go. honto ešta, ai hâfta plan: sõ go eštastu tšapta-tītel of neqstid stori. tū, ten sûrid ešta ioid rešerš.

end hīr, iūtī vũta: dō, â‘pel riaqta šinid go:

â‘pel šingo kiboad.

ešta spā, hontono?

mormorid end lāfid grītī
Pfoffī