«In keinem Universum» – Eine Kurzgeschichte

Posted by: on Apr 25, 2011 in Kurzgeschichten, Text | 4 Comments
«In keinem Universum» – Eine Kurzgeschichte

Nach einer Party bei einem Kumpel am Freitag Abend fuhr ich nach Hause und hatte eigentlich vor, währenddessen im Internet mit irgendwem zu chatten – aber irgendwie war keiner da. Ein paar auf tausend Einheiten Alkohol im Blut, eine Idee für eine Szene und die zufällig passende Musik liessen mich dann aber zwischen 0:45 und 2:50 Uhr eine Geschichte in mein iPad tippeln. Diese Geschichte habe ich dann Gestern und Heute (Samstag und Sonntag) korrigiert, erweitert, korrigiert und dann wohl noch einmal etwas verändert. Und natürlich will die Geschichte mit euch teilen!

Für alle Benutzer von Apple-Gerätern (mit aktuellem Update und der «iBooks»-App) habe ich sogar etwas supertolles und neues zu bieten. Einfach auf den folgenden Link klicken und die Geschichte als (natürlich kostenloses) eBook direkt auf dem iPhone, iPod Touch oder iPad lesen! Hier klicken für «In keinem Universum» als eBook! Es lohnt sich nach dem Lesen noch einmal hierher zurückzukehren.

Wer das nicht will, darf gerne auf «Read More» klicken und die Geschichte Lesen.

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«Die Herbstwanderung» – Eine Kurzgeschichte

Posted by: on Dez 1, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | One Comment

Könnt ihr euch noch an mein superduper-Schreibkurs-Studium-Dings erinnern? (Bei solchen Einleitungssätzen scheine ich das auch zu vergessen haha) Dank jenem wurde ich ja bereits zu einigen Kurzgeschichten gezwungen. Einige – genauer vier – davon, habe ich ja vor kurzem sogar hier gebloggt. Ich weiss nicht, ob ich das damals schon festhielt, es handelte sich jedoch bei allen bisherigen Geschichten einfach um Übungen aus den Arbeitsheften, nicht um Einsendeübungen. Aber jetzt wird’s ernst, denn die nächste Geschichte (und noch eine zweite…) sind die erste Einsendeübung, die dann auch bewertet – also benotet! – wird. Ich bin so aufgeregt!

Und da ich nicht nur eine Bewertung sondern auch die Bewertung meiner Freunde schätze und haben will, werde ich die Geschichte hier posten. Die Geschichte ist die «Abschlussarbeit» zum Thema «Schreiben für mich» (oder eher «schreiben über mich») und somit erneut biographisch:

Die Herbstwanderung

Schulreisen waren für mich immer ein schwieriges Thema. Die Grosse im Sommer war mir meistens zu anstrengend, die Luft heiss und die Pfade zu sonnig. Das winterliche Pendant zur Sommerschulreise war der Skitag. Hätte ich eine dieser Reisen aus seiner Existenz löschen können, wäre dieses schreckliche und alljährliche Winterereignis der eindeutige Kandidat gewesen. Mit jedem Jahr wurden immer mehr Skis zu Snowboards und ich hatte immer weniger Lust, mich mit meinem Kufenschlitten zu all diesen Winterfanatikern zu gesellen.

Doch da gab es auch noch die Herbstwanderung. Es scheint aus mehreren Gründen auf der Hand zu liegen, warum sie das wenigste aller Übel war. Der Herbst war für mich unsportlichen Zeitgenossen damals natürlich einer der beiden angenehmen Monate. Es war warm genug, um nicht unter dicken Jacken in Schweiss verlaufen zu müssen. Und es war auch kühl  genug, sodass man selbiges auch nicht in T-Shirt und kurzen Hosen tun musste. Was natürlich auch für diesen Ausflug sprach, war der Fakt, dass diese Wanderungen immer in Zusammenhang mit einem aktuellen Naturkunde-Thema stand.

Natürlich besass auch diese eine, spezielle Herbstreise in der sechsten Klasse diese Vorteile. Sie sollte an einem Montag stattfinden und wir begannen in der Woche davor mit den Vorbereitungen.

Das Thema waren Ameisen und wir sollten auf dem Berg in der Nähe, dessen Namen ich nie wusste und durch welchen sich ein Autobahntunnel schlang, nach Ameisenhaufen suchen. Wir bildeten kleine Teams und verteilten darin Aufgaben. Ich musste für die Experimente eine blaue Blumenblüte und ein Stück Kreide mitnehmen. Alle wunderten sich, wofür die Blüte wohl sein könnte, doch ich wusste es. Wenn das Gift der roten Ameisen auf das blaue Blatt spritzte, würde es sich an diesen Stellen gelb verwandeln. Ich wusste gar, dass dies aufgrund der Säure im Gift war. Ich erzählte jedoch nichts und freute mich innerlich schon sehr auf die verwunderten Gesichter meiner Schulkameraden.

Das Wochenende kam und bei jedem Blick aus dem Fenster sah ich diesen Hügel, welchen wir in weniger als zwei Tagen besteigen würden. Ich war glücklich und hatte wahrscheinlich kein anderes Thema, als das sich verfärbende Blütenblatt. Ich wusste, das würde das Beste sein, was ich jemals gesehen hatte. Dieser Effekt, wie sich die Pigmente von blau zu gelb umentschieden, ich wusste, das musste grandios werden.

Und so kam dieser Montag. Nebelschwaden und unsere Klasse zogen unter der Autobahnbrücke neben jenem Berg vorbei. Wir passierten das alte Hotel, dass jetzt nicht einmal mehr ein Restaurant war und überquerten die Strasse. Unser Lehrer zählte uns durch und es ging los. Es war natürlich wie immer, der Lehrer und all die, die so viel klüger und sportlicher waren als ich, zogen vorneweg los. Es störte mich nicht, war es doch mein alltägliches Brot bei jeder Reise.

Als erster Pausen- und Verpflegungspunkt war die kleine Kapelle gedacht, welche man mit langen Beinen nach Zehn, mit kurzen nach 20 und mit übergewichtigen nach 30 Minuten erreicht. Ich erinnerte mich, mit meinem Vater schon einmal dort gewesen zu sein. Es war ein kleines, weisses Gebäude, dessen Funktion nur durch einen fast unscheinbaren Turm von aussen zu bestimmen war. Es lag, halb im Wald versteckt, an der rechten, unteren Ecke einer langen und sehr steilen Wiese. Ich kam an, setzte mich auf einen noch freien Platz auf einer Bank und holte den Rucksack auf meinen Schoss. Ich zog am Reissverschluss und freute mich auf mein kühles Wasser. Doch genau in diesem Augenblick klatschte der Lehrer zweimal in seine Hände, liess uns wieder durchzählen und verkündete, dass die Pause vorbei war und wir weiter zogen.

Langsam kam in mir nicht nur eine Wut auf den Lehrer, sondern auch die Sonne hinter den Bergen hoch. Ich war allein, schwitzte, konnte nicht mehr, wollte nach Hause und konnte kaum die Tränen unterdrücken. Jeder meiner Schritte brannte in meinen Beinen und ich fürchtete, verloren zu gehen, wenn ich den letzten meiner Kameraden vor mir aus den Augen verlor. Ich strengte mich an, immer mehr und immer stärker, doch ich merkte, dass es keinen Sinn hatte.

Kurz bevor ich umkehren und einfach nach Hause gehen wollte, merkte ich, dass einer meiner Kameraden auf mich zu rannte. Ich hoffe, es wäre einer von denen, die ich zu meinen Freunden zählte. Einer, der mir helfen wollte. So war es aber nicht. Er war einer von denen, die ich die meiste Zeit ganz und gar nicht leiden konnte. Er kam dann aber auch nur, um zu sagen, dass ich ein bisschen schneller machen sollte, da der Lehrer nicht ewig Pause am zweiten Punkt machen wollte.

In diesem Moment war meine Entscheidung gefallen. Ich sagte diesem Kameraden, ich ginge jetzt nach Hause. Er könne gern für die Experimente meiner Gruppe meinen Rucksack haben. Er verweigerte, sagte, dies sei meine Verantwortung. Ich erwiderte ein abschätziges Nein, drehte mich um und lief zurück. Dank der Neigung, die nun plötzlich mein Freund wurde, war ich in weniger als 20 Minuten zurück an der Brücke und somit zurück im Dorf.

So wurde diese spezielle Herbstwanderung zwar kein Etappensieg gegen den inneren Schweinehund, eindeutig jedoch einer gegen die pädagogische Unfähigkeit jenes Lehrers.

Ende.

Und für alle interessierten: Ja, natürlich ist es derselbe Lehrer, der mich schon in einer früheren Geschichte gemobbt hat ;)

Wie fandet ihr diese Geschichte?

Ich freue mich über jegliches Feedback.

Gracias und Cheerio – Pfoffdude

«Säure» – Eine ewige Erinnerung

Posted by: on Okt 14, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | One Comment

Hoi zäme! :)
Ich will gar nicht viele Worte darüber verlieren. Es ist die vierte von vier Kurzgeschichten. Mehr Infos dazu und Links zu den anderen Geschichten gibt’s auf diesem Post.

«Säure» – Eine ewige Erinnerung

Ich stehe auf einem Betongebilde und vor mir rotiert eine riesige Schaufel. Die Schaufel dreht sich in einer ebenso beeindruckenden  Vertiefung im Boden. Es ist ein Sonntag und es muss um das Jahr 1997/98 herum sein. Ich bin nicht alleine. Jemand anderes steht neben mir. Er hatte mir versprechen müssen, dass wir uns die grossen Löcher im Boden anschauen gingen. Das war meine einzige Bedingung gewesen. Er ruft meinen Namen und ich drehe mich nach seiner Stimme um. Meine Augen finden ihn nicht, er ist verschwunden. Ich suche mit einem schnellen Blick die grosse Wiese ab, drehe mich zur nahe gelegenen Strasse aber kann ihn auch dort nicht finden. Ich gehe davon aus, dass er sich bei einem dieser Gebäude versteckt. Jenen Gebäuden, die die Schaufeln betreiben. Ich gehe auf eine nahe gelegene Säule zu und mustere Sie. Sie ist hoch und befindet sich unter einer art geschlossener Passerelle zwischen zwei der Gebäude. Ich schaue suchend um mich, finde ihn weder bei der Autobahn noch bei dem Bächlein. Jenem kleinen Dorfbach, über welchen wir überhaupt erst hier einbrechen konnten.

Neben mir bewegt sich etwas. Der säulenförmige Turm hat eine Tür, welche sich langsam öffnet. Ich sehe mich schon erwischt und will mich schnell von diesem Acker machen. Schnell erkenne ich jedoch, dass nur er es ist, der sich im Turm versteckt hat. “Wir müssen hier hoch!”, sagt er freudig und ich betrete nach ihm den Turm. Vor mir steigt er eine Sprossenleiter empor, während unter mir braune Jauche durchrauscht. Ich beginne zu klettern, er schaut runter und mahnt mich, aufzupassen. Würde ich nach unten und in die dreckig-braune Flüssigkeit fallen, würde ich sofort sterben. Oben angekommen erkenne ich, welchen Plan er verfolgt. Er ist mir schon voraus und durch den Tunnel gekrochen, der sich vor meinen Augen ausbreitet.

Der Tunnel ist genau jene Passerelle, die mir vorhin schon auffiel. Als ich von unten schaute, erkannte ich jedoch nicht, dass deren Boden nicht durchgehend , sondern nur ein Gitter ist. Ich kauere auf der einen Seite und beobachte, wie er erwartungsvoll am Boden auf der anderen Seite sitzt. Ich habe angst. Es ist zu hoch. Ich fürchte mich, herunter zu fallen. Ich sage ihm, ich hätte angst vor der Höhe. Er sagte, ich solle nicht nach unten schauen. Alles zureden seiner Seite half jedoch nicht und ich konnte mich nicht durchringen, über diese löchrige Brücke zu kriechen. “Stell dir einfach vor”, begann er, “ich hätte hier einen Hamburger für dich!” Ich drehe mich wütend und meine, dass er mich mit einer Beleidigung schon gar nicht dazu bringen kann. “Warte”, sagt er und wiederholt seine vorherige Aussage. Dieses mal jedoch, ersetzt er Hamburger mit Computer und – warum auch immer – es funktioniert.

Wenige Minuten später bin ich über diese schreckliche Hürde gekrochen und klettere mit ihm aus der Passarelle heraus. Wir befinden uns in einem grossen Raum mit einer eben so grossen Tür. Ich sehe einen Warnhinweis: Man muss beim Betreten dieses Raumes Ohrenschützer tragen. Er geht auf die Tür zu, öffnet sie leicht und schaut mich ernst an. “Du musst dort drin die Ohren geschlossen halten, sonst wirst du radioaktiv verstrahlt!” Ich halte mir die Ohren zu, er reisst am braunen Türflügel. Der Durchgang steht offen und wir rennen durch einen Raum voller wirrer Rohre und anderen Dingen, die wir weder erfassen, noch verstehen können. Auf der anderen Seite stehen wir in einem Treppenhaus und wissen genau, wo wir hin müssen.

Einige Augenblicke später stehen wir im Labor. In der mitte hat es einen Tisch mit Labordingen drauf. Wir suchen etwas, ich bin mir nicht sicher, wonach ich ausschau halte aber es muss in jedem Fall etwas mit Kieseln oder Ameisen zu tun haben. Ich finde nichts und schaue mich nur um. “Da, das ist es!” Ich erwache aus meinen Gedanken und gehe auf ihn zu. Er dreht sich zu mir um und hält eine styropor-Box in den Händen. Mein Bester Freund und die styropor-Box, die unser heiliger Gral zu sein scheint. “Da ist sie drin”, sagt er mit einem unglaublichen glanz in den Augen. “Die Säure!”

Ende

Ich muss sagen, das war wohl einer der aufregendsten Tage in meinem Leben. Die “Geister im Schlafzimmer, Haus oder auf dem Friedhof “-Tage kitzelten die Nerven natürlich auch ganz schön, aber der Säuretag, ja der bleibt ungeschlagen. Diese latente Gefahr erwischt zu werden, die höhenangst, die natürlich nicht vorhandene, radioaktive Strahlung. Ein Tag aus Angst, Spannung und Hoffnung. Und ja, wir waren wirklich dort, um Säure zu stehlen. Und nochmal ja, es hatte auch wirklich Säure in jenen styropor-Boxen.

Ich glaube es waren acht oder zehn Reagenzgläser, die mit einer gelben Flüssigkeit gefüllt waren. Wir holten alte Konfitüre-Gläser bei meiner Mutter und gingen in jene Halle, die ich in der ersten Geschichte erwähnte, mit de Säure spielen. Wir wollten herausfinden, welche Art von Säure es ist und unser Ergebnis war: Es war keine Kieselsäure, sondern Ameisen-, Käfer-, Blatt- oder Erdensäure. Wie wir das herausfanden will ich jetzt nicht erzählen. *haha*

Weiter ist auch noch interessant zu erwähnen, dass wir einer latenten Gefahr ausgesetzt waren, welcher wir uns gar nicht bewusst waren. Wir wollten unsere Experimente eigentlich mit Jogurt-Bechern machen. Zum Glück hatte es nur Konfitüre-Gläser.

Kleine Kinder und Säure, was für ein Spass das war – hui! Und wer mir nicht glaub, darf gerne die wahrscheinlich noch Heute vorhandenen,  Bodenverätzungen anschauen gehen, die unsere Ameisenkäferblatterdensäure gemacht hat, nachdem sie uns gelangweilt hat und wir sie einfach auf den Boden gekippt haben.

So, das war’s mit den Geschichten. Vielleicht werde ich morgen noch ein kleines Resumee diesbezüglich posten. Ja, das wäre eigentlich eine gute Idee.

Ich hoffe, ihr hattet euren Spass oder auch euer Mitgefühl an den Geschichten. Jegliche Kommentare, Kritiken und so weiter sind natürlich sehr willkommen.

Cheers, euer Pfriter

«Der Lehrer» – Meine grösste Enttäuschung

Posted by: on Okt 13, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | 8 Comments

Dies ist nun schon die dritte von vier biographischen Kurzgeschichten, die ich am Montag angedroht hatte. Sie ist die einzige, die einen sehr negativen und somit auch wunden Punkt meines Lebens anspricht. Ich hoffe, ich kann sie trotzdem spannend und mit gleichem Willen schreiben, wie die vorherigen zwei. Natürlich ist auch hier wieder das Ziel Orientierung, Problem, Bewertung und Auflösung als Geschichtsabschnitte einzubinden.

«Der Lehrer» – Meine grösste Enttäuschung

Ich war immer eines dieser Kinder, das die Lehrer mochten. Ausser an Mathe, war ich an allem interessiert und auch durch’s Band gut. In meinem Heimatort ist es so, dass man in der Primarschule alle zwei Jahre den Lehrer wechselt. Wir hatten einen etwas anderen Ablauf und wechselten vom dritten zum vierten Jahr noch einmal mehr als alle Anderen.  Das war aber kein Problem, auch wenn alle unsere neue Lehrerin hassten, ich fand sie und auch ihren Unterricht toll. Gegen Mitte dieses vierten Schuljahres wurden wir dann informiert, welchen Lehrern wir im daruffolgenden zugeteilt wurden. Als ich sah, wem wir zugeteilt waren, hatte ich schon mein erstes mulmiges Gefühl. Es war der Vater meines Erzfeindes.

Ich startete das fünfte Jahr mit einer leichten Angst vor dem neuen Lehrer. Gleichzeitig hatte ich auch noch meinen besten Freund an das Sitzenbleiben-Virus verloren. Ich stand der Gefahr alleine gegenüber. Natürlich redete ich mir ein, dass alles gut kommen würde. Warum sollte mir dieser Lehrer auch etwas schlechtes wollen? Als Lehrer würde er bestimmt objektiv genug sein, diese privaten Unstimmigkeiten aussen vor zu lassen. Leider war dies ein gewaltiger und weit reichender Irrtum. Fehler meinerseits wurden an die grosse Glocke gehängt. Zu schwierige Aufgaben mussten von mir an der Wandtafel gelöst werden. Meine Stärken wurden weder erkannt noch gefördert und schon gar nicht gelobt. Schikane um Schikane, jede Woche, jeden Tag.

Ich hasste ihn. Ich hatte zuvor gedacht, ihm eine Chance geben zu können. Er war nur der Vater meines kindlichen Antagonisten und mir war trotz meines alters diese Objektivität gegeben, die ihm anscheinend fehlte. Ich wurde immer öfter Krank, interessierte mich kaum noch für die Schule und machte keine Hausaufgaben mehr. Dies alles tat natürlich nicht nur mir, sondern auch meinen Leistungen nicht gut. Die Noten sackten in unglaubliche Tiefen und mit ihnen das Vertrauen meiner Eltern.

Das im ersten Moment als glück empfundene Handeln meiner Eltern, ein Problem zu bemerken, führte dazu, dass ich mich ihnen öffnete. Ich erzählte, dass mein Lehrer mich schikaniert. Erzählte, dass er immer vor all meinen Schulfreunden auf Fehlern rumhacke, die ich gemacht hatte. Und so kam es, dass wir eines Abends am grossen Tisch im Schulzimmer sassen. Mein Lehrer, meine Eltern und ich. Der pädagogische Anführer ergriff das Wort und redete auf meine Eltern ein. “Was ist denn nun das Problem? Was hat René denn? Er ist eigentlich ein netter Junge. Ich versuche ihn zu untestützen. Ich will das Beste für ihn.” Meine Eltern schauten mich fordernd an. Der Lehrer schaute mich noch fordernder an. Er sagte, mit seinen starken und perfekt gewählten Worten, dass ich doch nun nur ein Beispiel nennen soll, wie er mich denn schikaniere. Ich sass auf dem harten Holzstuhl, sah kaum über die grüne Tischplatte aber dafür direkt in die fordernden, grossen, bösen Augen des Lehrers. Ich versuchte in den Augen meiner Eltern schutz zu suchen, fand ihn aber nicht. Sie waren alle so gross und ich war so klein. Ich sagte nichts. Es gab so vieles, aber ich sagte nichts.

Einige unangenehme Momente später sassen wir im Auto und ich hörte mir eine lange Schelte mit Vorwürfen der Zeitverschwendung und Blossstellung an. Ich entschied mich, nichts mehr zu sagen. Nie mehr. Auch beim Lehrer hatte das Gespräch Auswirkungen. Er entschied sich schlussendlich dafür, seine pädagogisch wertvollen Schikanen zu verstärken.

Ende

Und ich sag’ euch eins, wäre das nicht so passiert, hätte ich bestimmt schon einen Bestseller geschrieben. Aber es wären auch so viele, so gute Freundschaften niemals zustande gekommen, dass es vielleicht sogar gut so war? Gleichzeitig darf ich natürlich auch nicht behaupten, dass nur eine einzelne Person an allem negativen schuld war. Aber dieser fiese Mistkerl hat schon seinen sehr wichtigen Beitrag zur Entfaltung meiner schlummernden Faulheit beigetragen.

Jetzt noch schnell die Abschnitt-Analyse:  Die Orientierung findet hier natürlich als Beschreibung meiner Person als Schüler statt. Das Problem entsteht, als ich diesem Lehrer zugeteilt wurde und mein bester Freund nicht. Die Bewertung liegt auf der einen Seite in der Erkenntnis, dass ich jenen Lehrer hasse und andererseits (am Anfang des dritten Abschnitts) darin, dass ich die Reaktion meiner Eltern zuerst als positiv bewerte. Die negative Auflösung ist in diesem Fall das Lehrer-Eltern-Schüler-Gespräch und die daraus entstehende Erkenntnis, dass man nicht auf meiner Seite ist. Genau diese Erkenntnis, dass man mich nicht ernst nimmt, war die bisher enttäuschendste in meinem ganzen Leben.

Ich hoffe euch hat das Lesen mehr spass gemacht als das Schreiben mir.

Cheers, Pfoff.

«Meli» – Meine erste Verliebtheit

Posted by: on Okt 12, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | 7 Comments

Hier kommt nun eine weitere Geschichte, des biographischen Vierteilers, den ich Gestern angekündigt habe. Die Aufgabenstellung diesbezüglich ist es, von der ersten Person zu erzählen, in welche man verliebt war. Dies natürlich erneut unter der Berücksichtung der vier Abschnitte einer Geschichte: Orientierung, Problem, Bewertung und Auflösung. Nun denn, auf zur Geschichte.

«Meli» – Meine erste Verliebtheit

Ich habe Meli wohl am ersten Tag des Kindergartens kennen gelernt. Sie wohnte gleich die Strasse runter neben der Primarschule und es würde sich einbürgern, sie die folgenden zehn Jahre lang periodisch darauf hinzuweisen, dass sie den kürzesten Schulweg hatte. Damals wurde sie von den meisten und heute wohl von den meisten Meli genannt. Ihr richtiger Name war Melanie und sie war das älteste von drei Kindern. Ihre Mutter war eine gute Freundin meiner Mutter und so kam es, dass ich oft bei Melis Familie eingeladen war. Wir spielten und bastelten oft in dieser Dachwohnung, die mir so viel spezieller erschien, als unsere eigene.

Eines plötzlichen Morgens fragte mich jemand, es war mein Vater oder mein Bruder, ob ich denn schon eine Freundin hätte. “Nein.” – “Bist du denn in eine verliebt?” – “Ja.” Ich gab diese Antworten, ohne wirklich darüber nachzudenken. Und so verblüffte mich die darauffolgende Frage nach einer Person auch etwas. Ich überlegte, welche Mädchen ich kannte. Melanie. Sie war die erste, die mir in den Sinn kam. Natürlich waren mir auch andere Mädchen bekannt: Andrea, Barbara, Jessica und noch mehr. Alle hatten sie für mich den gleichen Stellenwert, doch Melanie war der erste und auch gleich ausgesprochene Name.

An dieser Stelle begannen dann die Gedanken in mir zu rotieren. Mir war klar, diese offensichtliche Verliebtheit würde alles verändern. Der männliche Verwandte, der mir diese Fragen gestellt hatte, hatte einen Stein in’s rollen gebracht, der nicht mehr gestoppt werden konnte. Ich wusste, ich musste etwas unternehmen. Etwas, das man eben macht, wenn man verliebt ist. Ich musste also einen Liebesbrief schreiben.

Ich begann damit, ein kariertes Blatt Papier mit gelbem Leuchtstift vollzumalen. Es war eines dieser dunkelbraunen Ökopapiere mit den grünen Häuschen darauf. Der Leuchteffekt blieb grösstenteils aus, doch war es aus meiner Sicht leuchtend genug. Ich griff mir den Füller und begann auf das noch feuchte, gelbe Papier zu schreiben. Es sah toll aus. Die quadrätchen auf dem Papier erschienen gräulich-schwarz unter dem gelben Filter. Die blaue Tinte, die aus der Feder auf  das Blatt lief, vermischte sich gerade genug, um noch scharf und trotzdem grün glitzernd zu erscheinen. Der Brief war fertig, wurde mit einem Willst-du-meine-Freundin-sein?-Ja-Nein-Feld ergänzt und der Konservation wegen, mit Klarsicht-Klebeband überklebt.

Beim Turnunterricht am nächsten Tag  erhielt Meli dann meinen Brief auf den Sportplatz. Sie stand vor mir auf dem roten, kornigen Boden und ich streckte ihr den Brief entgegen. Sie nahm ihn an, las ihn und sagte: “Ja.”

Ende

ja, so war das, mit meiner ersten Verliebtheit. Ich erinnere mich hierbei noch ganz genau an den Tag, wo man mich gefragt hat, in wen ich verliebt bin und ich weiss auch noch ganz genau, wie ich diesen Brief gebastelt habe. Bis auf die Frage am Ende des Briefes weiss ich jedoch nicht mehr, was ich überhaupt geschrieben habe. Wahrscheinlich war es nur ein einziger, krakeliger und nicht sehr origineller Satz. Aber was erwartet man auchvon einem Kindergärtner!?

Nun wieder zu den vier Teilen der Geschichte, die ich hier wiederum versucht habe, in die einzelnen Absätze zu Quetschen. Im ersten Abschnitt versuche ich zu orientieren, wo ich bin, wie alt ich bin und wie diese Freundschaft mit dieser Melanie zu stande kam. Im Zweiten entsteht das Problem der Verliebtheit. Möglicherweise ist das eigentliche Problem auch, dass ein 6 jähriger Junge nach dem Verliebtsein gefragt wird. Das will ich auch im nächsten Abschnitt aufzeigen: Ich bewerte die Situation damit, dass jetzt eine plötzliche, spezielle Last auf mir liegt. Ich musste plötzlich Dinge tun, deren eigentlichen Zweck ich gar nicht verstand. Zum Schluss, im vorletzten Abschnitt dann, die Lösung, dass ich eben diesen Liebesbrief herstelle. Der letzte kurze Abschnitt ist eine Art Epilog, der aber natürlich auch noch zur Lösung gehört. Ich wollte da einfach einen neuen Absatz :)

Eine lustige Anekdote noch: Melanie hat bis Heute nie mit mir Schluss gemacht. Somit sind wir nach kindergärtlichem Gewohnheitsrecht noch immer Zusammen. Unglaublich!

Cheerio, Pfoff

«Domi» – Meine früheste Kindheitserinnerung

Posted by: on Okt 11, 2010 in Kurzgeschichten, Studium, Text | 5 Comments

Dies ist eine Kurzgeschichte, die sich auf meinen vorherigen Post bezüglich meines “Autorenstudiums” bezieht. (hahahaha ich muss bei dem Wort Autorenstudium immer lachen)

Nun denn, dies ist die erste von vier biographischen Kurzgeschichten und sie beschreibt meine früheste Kindheitserinnerung:

«Domi» – Meine früheste Kindheitserinnerung

Es ist ein schöner Sommertag und ich spiele draussen. Ich bin drei oder vier Jahre alt. Möglicherweise bin ich sogar schon fünf. Das wäre jedoch ein wenig seltsam, da es sich ja um die früheste Kindheitserinnerung handelt. Bestimmt jedoch, spiele ich mit Andrea, der etwas jüngeren Nachbarin vom Hochparterre. Wir spielen Fangen, Verstecken, beides oder nichts davon. Ich renne wild auf der grossen Wiese vor dem Block herum. Plötzlich jedoch werde ich durch ein Rufen unterbrochen. “René!”, ruft es laut und scheinbar erfreut von einer unbekannten Ecke herunter.

Im vierten Stock, dem obersten jenes Gebäudes, steht ein Junge auf dem Balkon. Er winkt mir zu und ruft wiederholt meinen Namen. Ich drehe mich um, schaue hoch zu ihm und winke zurück. Dann öffne ich meinen Mund und stelle die Frage, die mir auf der Zunge brennt: “Wer bist denn du?” Der Junge scheint auf diese Frage nicht vorbereitet zu sein und schaut mich verdutzt an: “Ich bin’s! Domi! Kennst du mich nicht mehr?”

Domi steht auf dem Balkon und versteht die Welt nicht mehr. Sein bester Freund erkennt ihn nicht mehr. Sie haben doch bis jetzt immer zusammen gespielt und jetzt hat er das alles vergessen? Er sieht René, wie er neben dem grossen Baum mit den roten Blättern steht und fragt ihn, laut rufend, ob er mitspielen darf. Nachdem René dies bestätigt geht er durch’s Wohnzimmer am Kamin vorbei zur Eckbank, wo seine Mutter gerade etwas mit seiner kleinen Schwester macht. Er fragt sie, ob er mit René spielen gehen darf und auch sie bestätigt das. Er geht in die Diele und macht sich bereit.

René geht zur Treppe, die von der grossen Wiese nach unten zur Halle führt, welche ihrerseits wiederum unter dem Block und der grossen Wiese hindurchführt. Nach einigen kindlichen Momenten, die wohl ewig gingen aber wie Sekunden erschienen, die mit Informationen für Stunden vollgepackt waren, kam dieser Junge mit dem Namen Domi die Treppe hinauf. Er fragte, was sie spielen wollen und René schlug vor, dass sie “um den Block gingen” und er ihm dann erzählt, wie sie sich laut Domi kennen gelernt hätten. Genau das machen sie auch, René und Domi gehen um die zwei grossen Gebäude herum und kommen wieder bei der Treppe an. Domi hat alles erzählt und René kann sich an nichts erinnern, aber die Freundschaft ist trotzdem widerhergestellt. Während sie die Treppen emporsteigen sagt Domi noch beiläufig, dass er nie mehr so lange in die Ferien gehen wird.

Ende.

Ja, das war sie, die erste meiner Kindheitserinnerungen. Und ich weiss auch, dass es nicht sehr für mich spricht, dass ich während nur 3-6 Wochen einfach so meinen besten Freund vergessen hatte. Aber seien wir mal ehrlich: Ich bin halt einfach so :D

Ich muss hier noch sagen, dass jeder Absatz für eine der vier Stationen einer Geschichte stehen soll. Zuerst kommt die Orientierung: Wo bin ich? Was tue ich? Dann das Problem: Ich kenne diesen Jungen nicht. Die Bewertung: Der Junge seinerseits ist verwirrt, dass ich ihn nicht mehr kenne. Die Auflösung: Er war einige Wochen in den Ferien und ich habe ihn deshalb vergessen.

cheers und vielen Dank für’s Lesen.

Pfoff

Anthropostorie – Eine Geschichte von Menschen

Posted by: on Sep 15, 2010 in Kurzgeschichten, Text | 2 Comments

Seit kurzem treffe ich immer wieder auf seltsame Charaktere und gerate in Situationen mit ihnen, die genau so seltsam sind. Ich nehme nun einige von diesen und versuche, sie in einer Geschichte miteinander zu verknüpfen. Vorab: Es sind alles Frauen, nicht weil ich Frauen blöd oder per se seltsam sind, sondern weil die letzten Begegnungen der seltsamen Art halt eben mit Frauen stattfanden.

Anthropostorie – Eine Geschichte von Menschen

Es ist Mittwoch und Xenia bereitet alles für den kommenden Abend vor. Wie jeden Mittwoch Abend, wird auch Heute wieder der somit wöchentliche Frauenabend stattfinden. Xenias Freundinen, von welchen nicht alle wirklich ihre Freundinnen sind, werden gegen zwanzig Uhr bei Ihr ankommen. Sie ist im Schuss und freut sich. Sie und auch ihre Freundinnen wissen, dass Xenia die perfekte Wahl als Veranstalterin dieser Treffen ist. Sie planten, sich abzuwechseln, doch schon nach einigen Monaten war klar – auf allerseitiges Wünschen – dass Xenia diesen Job fix übernehmen wird. Man könnte nun meinen, Xenia hätte diesen Frauenabend selbst ins Leben gerufen. Zuzutrauen wäre es ihr, das bestreitet niemand. Aber, so unglaublich dies auch noch erscheinen wird, es war Lieses Idee.

Es ist jetzt 19:30 Uhr und genau diese Liese steht ausserhalb des Lichtkegels der Strassenlaterne vor Xenias Haus. Sie schaut aus dem Dunkel in den hell erleuchteten Wohnzimmerpalast Xenias. Eliane ist bereits da und hat es sich auf dem Sofa gemütlich gemacht. Was auch immer gemütlich für Eliane bedeutet, denkt sie und dreht sich vom Fenster weg. “Ich bin zu früh”, grummelt sie leise vor sich hin und geht weiter, um noch eine oder zwei Runden um das Viertel zu drehen. Auch wenn es ganz offensichtlich kein Problem ist, zu früh zu sein, schätzt sie es, sehr pünktlich oder vielleicht sogar eine halbe Minute zu spät zu sein. Einmal alle zusammen zu begrüssen ist in jedem Falle besser als jeden einzeln.

Eliane sitzt auf dem Sofa. Sie ist leicht genervt vom Fakt, die Erste zu sein. Als sie vor einigen Momenten das Wohnzimmer betrat, fragte sie, wie immer, überrascht, ob sie die erste sei. Xenia bestätigte, auch wie immer, dass dies so ist. Heute jedoch war etwas anders. Eliane seufzte und meinte: “Ich bin immer die Erste.” Xenia räusperte sich und meinte unverblümt, dass Eliane ja auch am meisten Zeit hat. Das hatte Elianes Stimmung gar nicht gut getan. Jetzt sitzt sie auf diesem Sofa, dessen Designer sie erwürgen würde und gesteht sich selber ein, dass es um ihre Stimmung sowieso nie wirklich gut steht.  Aber wehe, denkt sie weiter, das unterstellt mir Heute jemand.

Es klingelt. Xenia hüpft aus der Küche an Eliane vorbei, bewegt ihren mächtigen Oberkörper in deren Richtung und meint überrascht: “Du bedienst dich, gell.” Eliane reagiert mit einem müden Nicken in Xenias Richtung.  Diese jedoch ist bereits weiter, hat das Nicken weder gesehen, noch sich dafür interessiert und öffnet die Tür. “Susanne”, hört Eliane Xenia ausrufen. Küsschen, Küsschen und die beiden betreten den Raum. “Hallo Eliane.” Xenia und Eliane wissen beide, wie Susanne das meint. Susanne ihrerseits weiss auch, dass ihre nicht sehr unterschwellige Nachricht angekommen ist. Sie setzt sich auf den Einzelsessel und versucht, während Xenia wieder in die Küche verschwindet, mit Eliane einen Smalltalk zu beginnen.

Wie war dein Tag? Wie läufts mit dem Mann? Wie war das Wetter? Wie läufts mit der A…

Die Tür ruft erneut mit ihrem hohen und klirrenden Ton nach Öffnung. Eliane und auch Susanne atmen erleichtert aus und letztere springt von ihrem Stuhl auf. “Ich mach schon auf!”, ruft sie zur Küche und spaziert zum Eingang. Eliane hört ein der Türklingel ähnliches, schrilles “Silvia” von Eingang hallen. Xenie betritt das Wohnzimmer, schaut umher, ignoriert Eliane und erkennt leise für sich, dass jetzt nur noch die Liese fehlt.

Silvia und Susanne setzen sich und Silvia beginnt zu erzählen, was sie unbedingt los werden will. “Das glaubt ihr nicht…” Susanne und Xenia schauen sich an und grinsen. Sie werden es in jedem Fall glauben, sie glauben es immer, auch wenn – und eigentlich vorallem dann – wenn Silvia mit diesen Worten anfangt. “Ich habe die Liese gesehen, sie schleicht um das Viertel umher. Ob sie wohl vergessen hat, wo Xenia wohnt?” Alle ausser Eliane beginnen zu lachen und amüsieren sich über diese neue Anekdote über Liese. Eliane räuspert sich, bekannterweise offensichtlich genervt, wie sie es immer tut, und beginnt ihrerseits zu sprechen: “Ja, das verschrobene Biest hat mich vorher durch das Fenster angestarrt.” Das Lachen der anderen verstummt und sie schauen sich etwas Ratlos an.

Der Minuten Zeiger Xenias Kaminuhr springt eine Satz von der 12 weg und die Klingel erneut ein letztes Mal für diesen Abend. Liese ist da.

Jetzt sind sie alle beisammen. Susanne sitzt im Sessel. Xenia und Liese auf dem Doppelteil. Und Silvia teilt sich den Dreier mit Eliane. Es ist zwanzig Uhr dreissig, die bisherige Zeit bestand aus jeweilig kurzem Aufflackern von belanglosen Themen. Silvia zum Beispiel erzählte von ihrem “Speicherblock”, welchen sie ihrem liebsten Kollegen im Büro hätte bringen sollen, dieser war aber nicht da und so musste sie eben, diesen Block mit den Bildern einfach auf dessen Arbeitsplatz legen und eine Mail schreiben. “Und heute Abend”, erzählte sie brüskiert, “wollte ich dieses Klötzchen wieder holen gehen und noch mit ihm reden, aber da war der schon gegangen. Um 16 Uhr! Das ist unglaublich.” Sie erhielt gemischte Reaktionen. Die andere nickten, machten irgend ein Geräusch oder schauten, wenn sie Eliane hiessen, gelangweilt aus dem Fenster. Seit einigen Minuten sitzen sie jetzt einfach da.

Was macht, wie geht’s, wann, wie, wo, warum? Und sonst?

Niemand erzählte etwas. Nicht, dass sie nichts zu erzählen gehabt hätten, aber die anderen hätte es nicht interessiert. Auf einmal ergreift Susanne das Wort und richtet es an Liese. “Wie geht’s eigentlich deinem Sohn? Der Nick, so hiess er doch, oder?” Liese nickt und schaut Susanne an. “Der muss doch jetzt auch schon 16 sein, oder? Macht er eine Lehre? Studiert er?” Susanne merkt nicht, dass die anderen etwas verwundert sind und Eliane gar wütend zu sein scheint. “Muss ja Jahre her sein, dass ich den zuletzt gesehen habe. Wann war das? Null-Fünf?” Liese scheint zu überlegen und nickt wieder. “Das ist ja so ein Süsser, der hat bestimmt eine Freundin, oder?” Liese schaut Susanne mit ihren so nichtssagenden Augen an. “Das…”, sagt sie direkt und Emotionslos wie immer, “Das kannst du Eliane fragen, das ist ihr Sohn, ich habe keinen.” Susanne reisst erstaunt ihre Augen auf, wie sie das immer tut, wenn etwas sie schockiert und dreht ihren Kopf zu Eliane. “Untersteh dich!”, fährt aus dieser heraus, “Du bist echt ‘ne hohle Nuss.”

Erneute Stille durchzieht den Raum.

“Heute ist was passiert!” Xenia will zur Lockerung dieser Szenerie ihre Tagesanekdote erzählen. “Ich hatte nur zwei Kunden im Restaurant und ich begrüsste sie, indem ich einfach diese Melodie von diese A-Team Film zu singen begann.” Etwas entrüstet und erstaunt richten die anderen ihre Blicke auf Xenia, welche genau diese Melodie zu summen beginnt. “Die fanden das toll, sag ich euch.” Eliane überlegt sich indes, wie toll die das wohl fanden. Sie stellt sich vor, wie diese Kunden im Restaurant sitzen, sich dieses geträller gefallen lassen, eine gute Miene machen, sich aber denken, dass sie nie mehr dort hin gehen werden. Ein erstes, einziges und für diesen Tag letztes aufflackern eines lächelns zittert an ihren Mundwinkeln.

Xenia erzählt weiter: “Dann hat der Pete, diese dumme Nuss, einfach von unserer Cola getrunken. Ich sagte ihm, das wäre gestohlen und … ja aber der verstand das nicht.  Item. Ich ging zu jenen Kunden und erzählte ihnen von Superman, weil der eine, der hatte so eine blaue Jacke…” – “Eine blaue Jacke?!” Susanne unterbricht Xenia. “Da hab ich Heute auch einen gesehen. Der hatte mit seinem Kumpel auf den Zug gewartet, den Zug den auch ich nahm und die haben geredet. Und als ich da vorbeiging, hat der plötzlich von Brüsten erzählt. Ich meine, einfach so in der Öffentlichkeit. Ich konnte es nicht fassen. Ich war so verwirrt. Und das schlimmste war, dass die dann auch noch erste Klasse fuhren!” Susanne war schon wieder ganz wütend und regte sich auf. Keiner sagt etwas, es ist still. Nur das erregte Atmen von Susanne füllte den Raum.

“Ach…”, durchbricht Xenia die Stille, “Susanne…”

Sie schaut sich um und wendet sich an Eliane. “Und, was hast du so gemacht?” Eliane will darauf antworten, doch Susanne fährt ihr in’s wort und ruft spöttisch, dass sie natürlich nichts gemacht haben wird. Eliane zieht ihre Stirn zusammen und grummelt vor sich hin. Liese schaut zu Eliane. “Ihre Stimmung ist wohl im Keller.” Silvia lacht laut auf. “Wie immer!”, plärrt aus ihr heraus.

“Ich hasse euch.” Eliane steht auf und stampft zur Tür. “Ihr dreckigen Fotzen!” Und sie ist verschwunden.

In neuer, erdrückender Stille, starren sich die übrigen Frauen nur noch an. Sie Fragen sich, warum sie das eigentlich immer und immer wieder weiderholen. Keine fragt danach, keine würde auf diese Frage antworten. Sie wissen, warum sie sich immer wieder miteinander abgeben. Auch wenn sie sich nichts miteinander gemeinsam haben, gibt es ein Attribut das sie verbindet. Sie wollen und werden es sich niemals eingestehen. Den Gedanken daran versuchen sie schon im Keim zu ersticken aber das ändert nichts an der Wahrheit: Niemand anderes würde sich mit ihnen abgeben.

Ende.

Ein trauriges Thema, nichtwahr? :) (haha und ich mache danach ein lachendes Emoticon haha)

Wie ich Anfangs gesagt habe, basieren die Charaktere auf Personen und Situationen, die mir vor kurzem passiert oder begegnet sind. Jetzt seht ihr mal, was mir alles so übern’ Weg läuft, tagein und tagaus.

Und damit sich auch auf keinen Fall jemand angepsrochen fühlt: Keine der charakterbildenden Personen (bzw. Frauen) kenne ich und habe sie nur höchstens zwei Mal in meinem gesehen.

Wie fandet ihr mein kurzes Sozialdrama? *haha*

cheers, der Pfoff

Kurzgeschichte: Kannib’Ali

Posted by: on Aug 7, 2010 in Kurzgeschichten, Text | 5 Comments

Schon wieder eine Kurzgeschichte. Ja, mein Gott, es sprudelt halt manchmal. Ich wünschte ich hätte einen solchen Schreiber-Drive auch bei anderen Dingen haha.

Heute geht’s um ne genervte Kassiererin und Heute geht’s weiter auch mal um Gewalt haha. Als für alle, die das lesen und vielleicht irgendwas reales darin suchen (Mami… :) ), keine Angst: Es ist alles in Ordnung, ich bin noch immer gleich lebendig, gleich fröhlich und es ist auch gar niemand gestorben. Nur die gute Claudia F. hat mich Heute zu was ganz bösem inspiriert… Und wenn es niemandem gefällt, dann hoffentlich und wenigstens ihr.

Aber genug der langen Vorworte…

Kannib’Ali

«Nur noch schnell, ich brauche unbedingt…», erklärt sich der Mann Seraina. Sie hörte nicht zu, was er sagt. Wozu auch, fragt sie in sich selbst hinein, wir haben geschlossen. Den Laden verlassend gesellt sich Alexia zu ihnen. «Was ist denn ihr Problem?», fragt sie den Mann leicht verwirrt. Dieser erklärt ihr etwas beschämt den Grund seiner Hast. Alexia lacht auf, schubst Seraina an und zwinkert dem Herrn zu. «Na dann holen sie noch ihre wir wissen schon was, ich werde meine Kollegin informieren.» Der Mann bedankt sich erfreut und hastet in den Ladenbereich herein.

Ali macht sich gerade bereit, alles aufzuräumen und will die Kasse abschliessen als das alte Telefon neben ihr zu klingeln beginnt. «McKidd!», ruft sie genervt in den Hörer. «Ja, hier Bad, Ali, da kommt noch einer.» – «Aber Seraina ich…» – «Der hat nur einen Artikel, stell dich nicht so an.» Ali will noch darauf reagieren, aber Seraina hat schon aufgelegt. Das ist schon das dritte Mal diese Woche. Dazu kam, dass Heute auch gerade dieser Tag ist, an welchem sie sich endlich mit ihm treffen wird.

Währenddessen rennt Etienne durch den Laden und findet endlich, was er sucht. Die dachten, ich suche jene, doch eigentlich suche ich DIESE! Er greift nach den Hello Kitty Bügelbildern. Freudig macht er sich auf den Weg zur Kasse. Dort angekommen schreckt er kurz auf und etwas zurück. Er sieht die Kassiererin und sie ist in keiner Weise das, was er sich unter einer hübschen Frau vorstellt. Sie hat langes, schwarzes Haar, trägt eine Brille und ein hübsches Gesicht. Auch ihr wirklich auffälliges Dekolleté bleibt ihm nicht unverborgen. Die sieht viel zu sehr nach Frau aus, denkt er sich und legt seine Kleidersticker auf‘s Band.

«Grüezi!», wirft Ali ihm entgegen. Sie sagt es mit der Freundlichkeit, die jedem, der etwas mehr als eine grüne Erbse im Kopf hat, sagt, dass er sich zum Teufel scheren soll. Er scheint es nicht zu bemerken und bleibt so fröhlich, wie er es schon beim Betreten des Ladens war. Ali wartet auf die Ankunft des von ihm gekauften Produktes und erschauert, als sie es sieht. Was?!, schreit es in ihren Gedanken, dafür bin ich sitzen geblieben? Ihre Füsse beginnen leicht zu trippeln. Es ist dieses Trippeln, dass sie immer überkommt, wenn sie wütend ist. Ein Angewohnheit der ganzen Familie.

Sie zieht die Sticker über die roten Lichter, das Piepen ertönt und auf dem Display erscheint der Preis der Ware. «Fünf Franken und Fünfzig Rappen macht das dann.» Der Mann kramt in seiner Tasche und holt ein blau-weisses Kinder-Portemonnaie hervor. Alis trippelnde Beine beginnen sich etwas schneller zu bewegen. Er bemerkt, dass er kein Bargeld dabei hat und will mit der Kreditkarte zahlen. «Eigentlich geht das bei solchen Beträgen nicht.» Ali versucht die trippelnde Wut nicht in ihrer Stimme zu zeigen. Sei nett Ali, drängt sie sich selbst, das Kharma wird es dir zurückgeben. Auf ihr eigenes Drängen hin erlaubt sie ihm also ausnahmsweise, die Kreditkarte für die Bügelbilder zu benutzen.

Der Kauf ist abgeschlossen und Ali beginnt sich schon wieder auf das Danach zu freuen als er auf einmal die Frage stellt, die zur Eskalation führt. «Warten sie, ich habe noch diese Kundenkarte…» Alis Beine scheinen unter ihr zu explodieren. Ihr rechtes holt mit einem solchen Ruck aus, dass Ali sich das Knie an der Unterseite der Kasse anschlägt. «Scheisse, gottsvderdammte!», schreit sie auf und schaut nach ihrem Knie. Der anfangs starke Schmerz scheint aber nur auf dem Schock zu basieren und klingt gleich wieder ab. Sie schaut hoch und nach dem Kunden, will sich bei ihm entschuldigen. Er aber, ist verschwunden.

Gut, dann ist er halt mit seinen scheiss-Bildern abgehauen. Sie packt ihre Sachen zusammen und macht sich auf, den Laden zu verlassen. Als sie vor der Kasse her zum Ausgang gehen will, fällt ihr am Boden etwas auf. Hello, Kitty! Sie bückt sich und sieht, dass scheinbar zwischen den quadratischen Bodenplatten eines dieser Bügelbilder eingeklemmt ist. Sie hat nicht vor, sich weiter darum zu kümmern, als sie ein leises wimmern hört, das scheinbar von unter dem Boden kommt. Sie klopft auf die Platte und bemerkt, dass es darunter einen Hohlraum hat.

Jegliche Versuche, die Bodenluke zu öffnen, scheitern jedoch. Ob ich da irgendwie was geöffnet habe, vorher? Mit dem Gedanken im Kopf geht sie, ihren Kerl vollkommen vergessen, hastig zur Kasse zurück und beginnt, sie zu untersuchen. Sie kriecht unter die Kasse und sieht, dass sie mit dem Knie zuvor eine Delle in die Tischunterkante gehauen hat. Ali nimmt vorsichtig die Splitter weg und findet eine kleine Einbuchtung im Tisch. Darin befinden sich zwei Knöpfe. Ein roter und ein grüner. Sie drückt auf den roten, hört ein klickendes Geräusch und einen Schrei. Erschrocken lässt sie den Schalter wieder los und kommt unter dem Tisch hervor. Alles ist wie vorher, sie sieht nichts auffälliges. Sie will sich gerade daran machen, den anderen Knopf zu drücken, als sie bemerkt, dass das Hello-Kitty-Bild verschwunden ist.

An der Kasse sitzend, versucht sie, den linken, roten Schalter mit der Hand zu erreichen. Es gelingt ihr und sie sieht, wie sich wirklich eine Falltür öffnet. Sie schliesst sich aber gleich wieder, als sie den Knopf loslässt. Sie ist sich nun sicher, den beschissenen Kunden von vorhin dort runter verfrachtet zu haben. Ohne sich überhaupt zu fragen, wofür der andere Knopf sein könnte, drückt sie ihn und sieht, wie sich ihr gegenüber in der Wand  eine Tür öffnet. Ihr war schon am ersten Tag in diesem schrecklichen Laden aufgefallen, dass mit dieser Wand etwas nicht stimmen konnte. Sie lässt den Schalter wieder los, doch die Tür schliesst sich nicht mehr.

Wenige Augenblicke später steht sie in einem relativ engen, dunklen Treppenhaus. Sie drückt auf das grüne Licht, dass sich links von ihr befindet. Die Tür hinter ihr schliesst sich wieder und gelblich blinkende Neon-Röhren beginnen langsam, den vertikalen Gang zu erhellen. Langsam aber sicher schreitet sie die gewundenen Treppen hinunter und steht schlussendlich vor einer weiteren Tür. Metallern und schwer sieht sie aus, ist aber problemlos zu öffnen.

Sie betritt den neuen, nur schummrig beleuchteten Raum. Aber auch ohne gute Beleuchtung ist ihr sofort klar, wo sie sich befindet. Im Bruchteil einer Sekunde erinnert sie sich an ihre Kindheit. Fühlt, wie es war, dem Vater bei seiner Arbeit zu helfen.

Ali wuchs in Sligo, einem Kaff in Irland auf. Ihr Vater war der Metzger des Dorfes und ihre Mutter eine Schneiderin. Butch, the butcher, so nannten sie dort alle ihren Vater und auch Ali nannte ihn Butch. Ihr war nicht klar, dass das nicht sein richtiger Name war. Jeden Sommer half sie ihm dabei, die Schweine zu schlachten, auszunehmen und zu verarbeiten. Sie liebte es. Kurz nach ihrem sechzehnten Geburtstag jedoch, verliess ihre Mutter Butch und reiste mit Ali in die Schweiz. Sie fand nie wirklich den Anschluss und schaffte es so auch nicht, ihren Traum der eigenen Metzgerei verwirklichen zu können.

Ihre Erinnerungen werden jäh von einem Aufschrei des Mannes von vorhin unterbrochen. Sie sieht wo er liegt und erkennt so eindeutig, was wahrscheinlich passiert sein muss. Die Luke öffnete sich und rutschte auf einer Fleischrutsche in den Metzgereibereich hinein. Er hatte sich ganz offensichtlich beide Beine gebrochen, wie und warum das passieren konnte, kann Ali sich jedoch nicht erklären.

Nun liegt er da, vor ihr, mit zerrissenen Hosen und wimmert um Hilfe. Ali jedoch ignoriert seine Geräusche vollends und überlegt sich, was sie mit ihm nun machen könnte.

«Du siehst so glücklich aus Heute, Ali. Lief was gestern, na?» Es ist Seraina, die am nächsten Morgen als erste Alis gute Laune bemerkt. Ali nickt nur unsicher und zieht sich weiter um. An diesem Tag hat Ali nur eine Schicht bis um 13 Uhr. Eigentlich sollte sie sich darüber freuen, aber ihr gestriges Abenteuer hat eine Lust in ihr entfacht, die verlangt, dies zu wiederholen. Und zwar bald. Sie schaut auf den Wochenplan und sieht, dass sie die nächsten drei Tage nie die letzte Kasse hat. Gegen dreizehn Uhr kommt Alexia um sie abzulösen und murmelt genervt vor sich hin. «Was ist denn?» – «Ich hab‘ die ganze restliche Woche letzte Kasse.» – «Das magst du nicht so, oder?» – «Nicht mögen? Ich hasse es. Das hassen wir doch alle.» – «Ich nicht, ich finde das toll. Soll ich es für dich übernehmen?»

Und so kommt es, dass Ali Mittwoch, Donnerstag und Freitag die letzte Kasse machen kann. Am Mittwoch kommt eine Frau um vierzig und kauft sich ein Brot. Donnerstag ein Mann mit einem Bier. Am Freitag scheint niemand noch schnell was holen kommen zu wollen. Enttäuscht packt Ali zusammen und begibt sich zum Eingang um abzuschliessen. Sie beginnt den Rollo vor dem Laden herunterzulassen als plötzlich ein Mann mit nacktem Oberkörper vor ihr steht. In seiner rechten Hand hält er ein weisses Shirt, das eindeutig einen roten Weinfleck besitzt. «Bitte, ich brauche unbedingt ein neues T-Shirt… Ich geh‘ gleich noch aus.» – «Oh, natürlich, das ist kein Problem. Ich warte dann an der Kasse.» Ali lächelt zufrieden in sich hinein und begibt sich zur Kasse.

«Habt ihr bemerkt, was mit Ali los ist?» Es ist Petra die es am Samstag, Alis freiem Tag, als erste anspricht. Die anderen stimmen ihr zu. Ali schien plötzlich zufriedener und irgendwie glücklich. «Die war doch sonst immer so ein Trauerklos.» – «Ja, unser fetter, irischer Trauerklos.» Sie alle mögen Ali nicht. Sie war anders, seltsam und schien was böses an sich zu haben. Auf der anderen Seite jedoch, konnte man sie absolut grandios ausnutzen. So nahmen sie sie mit an Parties und liessen sich von ihr zurückfahren oder benutzten sie um im Laden die Arbeiten zu machen, die sie selber nicht mochten.

Am Mittag erhalten alle drei eine SMS von Ali. «Abendessen bei Ali, Heute, 18 Uhr.» Sie sagen natürlich zu, nicht, weil Ali wirklich gut kochen konnte, sie aber mitten in der Stadt und somit am perfekten Ausgangspunkt für Parties wohnt. Überraschenderweise jedoch, sind alle hin und weg von Alis essen. Bäggli mit Chnöpfli nennt sie ihr Gericht und die Mädels lieben es. Es wird noch oft das Gesprächsthema sein an diesem Abend.

Der nächste Montag morgen kommt und Alexia betritt das Geschäft mit der gratis Tageszeitung in der Hand. «Habt ihr das gehört?», ruft sie laut in den Raum. Sie drehen sich nach ihr um, auch Ali, obwohl sie schon weiss, was dort steht. Alexia legt die Zeitung auf den Tisch und blättert zum Artikel. Bündner seit einigen Tagen vermisst. Neben dem Text ist ein Bild und auch Seraina erkennt sofort, um wen es sich handelt. «Das ist doch der, den wir zu dir geschickt haben, Ali.» Ali nickt mit ihrer schüchternen Art und dreht sich auffällig von ihnen weg. «Der hat sich wohl umgebracht», beginnt Alexia lachend, «nachdem er dich gesehen hat.»

Der Montag ist wieder einer der Tage, an welchen Ali am Abend die letzte Kasse machen darf. Seraina sieht wie um 18:35 die letzte Kundin den Laden betritt. Sie auf den Bus und bemerkt, dass Ali den Laden schliesst, ohne dass diese Frau von vorhin den Laden wieder verlassen hat. Im Gedanken, Ali hätte sie nicht gesehen, rennt Seraina in den Laden zurück und will Ali darauf hinweisen. Sie rennt zur Kasse und sieht, wie sich in der Wand eine Tür öffnet. Seraina ruft nach Ali, als sie sieht, wie sie durch die offene Tür gehen will.

«Ich muss dir was zeigen!» Ali hat Seraina, so zur Kasse gelockt und sie auf der Falltür positioniert. «Bleib ganz ruhig stehen, das ist so cool und echt lustig.»

Seraina steht vor der Kasse und beobachtet Ali. Sie fragt sich, was sie ihr wohl zeigen will. Kaum hat sie den Gedanken zu ende gedacht, spürt sie, wie der Boden unter ihr sich bewegt. Sie verliert das Gleichgewicht und beginnt zu rutschen. Wird immer schneller und bemerkt kaum, dass sie sich in einem sich winden Tunnel befindet. Sie rast weiter durch die alten Rohre, ihre Kleider und darunter ihre Haut zerreissen an rostigen Nägeln und Schrauben.

Auf einmal verlässt sie rutschend die Rohre. Erst in diesem Moment merkt sie, dass sie bisher noch keinen Ton von sich gegeben hat. Obwohl sich die letzten Augenblicke wie stunden angefühlt haben, beginnt sie erst jetzt wahrzunehmen, was überhaupt geschieht. Sie beginnt zu schreien und sieht so nicht die auf sie zukommende Gefahr. Das letzte Teil der Fleischrutsche ist aus den Angeln geraten und steht quer gegen die restlichen Glieder. Als sie es erreicht wird ihr linkes Beim dort heruntergezogen und durch die Kraft der Rutschbewegung entzwei gerissen. Ein neuer, unglaublicher Schmerz durchzuckt sie. Schreiend rollt sie langsam den letzten Meter über die Rutsche und fällt.

Sie landet weicher als sie gedacht hat und versucht, noch immer schockiert, sich umzusehen. Sie bemerkt, dass sie sich in einem Kellergewölbe unterhalb des Ladens befinden muss und auch, dass dies wohl mal eine Metzgerei gewesen war. Erst nach einigen Momenten erkennt sie voller entsetzen, dass sie auf der Kundin von vorhin gelandet ist. Sie scheint tot zu sein.

Ali hört schon auf dem Weg nach unten die Schreie von Seraina und freut sich auf das, was gleich kommen wird. Sie betritt die Metzgerhalle und geht zu ihren Opfern. Seraina schreit noch immer. «Warum schreist du? Das ist doch lustig.» Seraina schreit ungehindert weiter und Ali versucht, sich nicht darum zu kümmern. Sie zieht am Arm der Frau unter Seraina und versucht so, sie hervor zu holen, schafft es aber nicht.

«Halt die Fresse!» Ali kann Serainas Geschrei nicht länger ignorieren und schon gar nicht ertragen. Sie geht zu ihrem Tisch und sucht nach etwas ungebrauchtem.

Seraina schreit und weint, hofft, gehört zu werden. Ali war kurz weg, ist nun aber wieder zurück. Sie fleht sie an, ihr zu helfen, sie gehen zu lassen. Ali jedoch geht nicht auf sie ein.  Sie hält etwas in der Hand, es sieht aus wie ein Stück Fleisch und ehe sich Seraine ganz klar darüber werden kann, hat Ali es ihr schon in den Mund gesteckt. Ihr stockt kurz der Atem und sie kämpft damit sich nicht zu übergeben. Ali ihrerseits beginnt zu lachen. «Was ist denn? Warum lachst du nicht?» Seraina schreit durch das Fleisch hindurch, doch der laut scheint im Gewebe zu verstummen.

Ali reist Seraina heraus und auf den nahen Metzgertisch. Sie lacht hysterisch und holt aus dem Schrank eine riesige Fleischsäge. Sie kehrt zu Seraina zurück und setzt an ihrem rechten Arm an. «Du lachst ja noch immer nicht.» Ali hört auf zu lachen und wird ernst als sie beginnt, die Säge langsam hin und er zu bewegen. «Du hast meine Witze ja noch nie verstanden, du blöde Schlampe!» Die Wucht von Schmerzen nehmen überhand und Seraina verliert das Bewusstsein.

Ali verlässt etwas später den Laden und geht nach Hause. Sie bemerkt nicht, dass vor dem Laden noch der Hund der Kundin auf sein Frauchen wartet. Dieser Hund wird es sein, der die Polizei darauf bringt, den Laden zu verdächtigen. Sie werden die Metzgerei finden. Werden Knochen aber kein Fleisch finden. Und sie werden auch mit Leichtigkeit herausfinden, wer für all dies die Verantwortung trägt.

Ali aber kümmert dies nicht, denn sie wird am nächsten Tag das Land verlassen, wird nach Hause zur Beerdigung von Butch fliegen und seine Metzgerei übernehmen. Wenig später wird sie dann durch die Medien erfahren, dass man nach ihr sucht. Kannib‘Ali werden sie sie nennen. Das Fahndungsbild jedoch, so wird sie bemerken, sieht ihr in keiner Weise ähnlich und so kann sie sich ohne Angst daran machen, ihren Traum zu leben. So much for Kharma.

Epilog

Drei Monate später, der Laden nimmt seinen Betrieb wieder auf und Alexia sitzt an der Kasse. Eine der Stammkunden legt als letzte ihre Ware auf das Laufband. Sie kommen in‘s Gespräch und auf einmal fragt die Kundin Alexia ganz verwundert: «Warum haben sie eigentlich diese neue Marke nicht mehr?» Alexia versteht nicht ganz, was die Alte meint und fragt nach. «Wissen sie, diese neue Fleischmarke. Die hatten die beste Leber und Rippchen, sie glauben nicht, wie gross die waren.» Alexia fragt nach dem Namen der Marke. Die Frau kramt in der Tasche und zeigt Alexia das Label mit der dicken Aufschrift: Butch‘s Duine Feoil. «Wahrscheinlich irgend was ausländisches», meint Alexia nachdenklich, nimmt den Zettel an sich und wirft ihn wenig später in den Müll.

Ende

Nun, das wars :D Ausser danke für’s Lesen und über jegliche Kritik und mag sie noch so schlecht sein, freue ich mich bleibt wohl nichts mehr zu sagen. In diesem Sinne:

Danke für’s Lesen und ich freue mich über jegliche Kritik, mag sie auch noch so schlecht für mich ausfallen.

cheerio, Pfoff

Kurzgeschichte: Diese Strasse, dieses Haus

Posted by: on Jul 14, 2010 in Kurzgeschichten, Text | 10 Comments

Hallo meine liebsten Leser. Es ist mal wieder so weit: Eine Geschichte drang sich mir auf, die schnell und kurz erzählt werden wollte. Sie ist weder Auto- noch sonstwie Biographisch. Mehr zum Hintergrund danach.

Diese Strasse, dieses Haus
Als ich zum ersten Mal merkte, dass etwas absolut und ganz und gar nicht stimmen konnte, war es schon zu spät. Ich war schon zu tief in deren Fängen. Aber das war ich ja, laut Ihnen, sowieso schon seit jeher.

Wahrscheinlich begann es an dem Punkt, als meine Frau mich verließ. Ich soll zwar nicht schreiben, dass sie mich verlassen habe, aber das ist mir egal. Ich weiß auch nicht, ob es wirklich damals erst angefangen hat, aber ich halte es für erwähnenswert.

Wir waren ein wunderbares Paar. Verbunden auf eine Art, die ich jetzt noch kaum fassen kann. Und dann verlässt sie mich – von einem Tag auf den Anderen.

Wo wir gerade von Anderen sprechen – Ich traf damals ihre Mutter. Ich mochte sie, wusste ich doch damals nicht, dass sie eine von ihnen ist.

Es ging mir gut, immer besser mit der Zeit. Schlussendlich gar sehr gut. Ich musste sie überwunden haben. Es bot sich ein neuer, besserer Job an und ich nahm ihn fröhlich an.

Da sah ich es zum ersten Mal: Dieses Haus.

Ich kümmerte mich nicht darum, obwohl es doch eindeutig eine ganz spezielle Faszination in mir weckte. Die Arbeit war toll. Anfangs hatte ich das Gefühl, das Haus wäre weit von meinem Arbeitsplatz entfernt. Doch es schien Monat für Monat, Woche um Woche, immer näher zu kommen. Auch der Weg zur Arbeit und zurück fühlte sich immer kürzer. Meine Uhr jedoch, bewies natürlich jeden Tag, dass mein Gefühl falsch war.

Eines Morgens aber, konnte ich schon aus der Wohnung das Dach des Hauses ausmachen. Ich wusste, das konnte nicht sein. Es war gerade der letzte Arbeitstag der Woche und ich entschied mich, etwas mehr über dieses Haus herauszufinden.

Anscheinend wurde es im Namen eines städtischen Heiligen erbaut. Lange Zeit, so schien es, wurde es auch zu religiösen Zwecken gebraucht. Später war es ein höher gestelltes Wohnhaus und zuletzt, ja, zuletzt war es ein Haus für geistig behinderte Menschen. Ein Irrenhaus. Und jetzt, ja was war es jetzt? Ich konnte es nicht herausfinden.

Am Samstag zeigte es meinem Fenster schon seine Eingangstür und ich entschied, es genauer zu untersuchen.

Ich klingelte, niemand antwortete. Ich klopfte, niemand antwortete, aber die knorrige, alte Tür schwang leicht knarrend nach innen auf. Ich betrat den staubigen Gang und durchquerte ihn langsam. Der Boden unter mir knarrte und knackte bei jedem Schritt. Ich fühlte mich aufgehoben, absolut sicher. Selbst als ich ihn sah, diesen Schatten, fühlte ich mich noch immer absolut und vollkommen wohl.
Dann trat er in’s Licht.

Ich schrak zurück. Sah Ich doch auf einmal diese Uniform, dieses fremdartige Gesicht und diese bösen Augen. Ich rannte durch den Gang, zurück auf die Strasse und schaute mich um. In meiner plötzlichen Furcht hatte ich gar das Gefühl, mein Haus wäre schon wieder etwas näher gekommen.

Ein Irrenhaus fraß unsere Nachbarschaft. Eines war mir nun klar: Ich musste umziehen.

Gesagt, getan. Zwei Monate später wohnte ich eineinhalb Stunden davon entfernt. Nach meinem treffen der dritten Art entschieden sie sich zwar offenbar, sich wieder von mir zu entfernen. Trotzdem wollte, nein, musste ich weg von da. Mein Job blieb gut. Auf einmal wurde ich nicht mehr gebraucht. Der Job, das Einkommen – auch sie verließen mich, wie meine Frau es tat.

Mein täglicher Weg veränderte sich. In eine andere Richtung, ein anderes Dorf. Ein anderes Leben. Die unheimliche Begegnung, das böse Haus. Sie begannen langsam zu verbleichen, wurden zu scheinbaren Träumen aus einer anderen Zeit – gar einer anderen Welt.

Und dann traf ich sie wieder, ihre Mutter. Sie sagte, sie müsse mir etwas zeigen. Ich folgte ihr natürlich. Etwas war seltsam, diese Strasse, sie kam mir unheimlich bekannt vor. Ich konnte sie aber nicht zuordnen.

Unser weg endete vor einem hohen Haus. Sie drang mich, es zu betreten, was ich auch tat. Eine Glastür öffnete sich vor mir und ich trat ein. So automatisch, wie sie sich aufgeschoben hatte, schob sie sich auch hinter mir wieder zu. Es war ein modernes Gebäude. Ein langer, heller Gang erstreckte sich vor mir und ich begann, ihn entlangzulaufen. Ich bemerkte nicht, wie mit jedem Schritt das Geräusch unter meinen Füssen sich veränderte. Erkannte nicht, dass der Gang mit jedem blinzeln etwas dunkler wurde.

Am Ende des Korridors war eine Tür. Ich berührte die Falle und fühlte mich plötzlich an jenes Haus erinnert. Ich drehte mich in einem unerwartet heftigen Ruck um und sah, dass es wirklich genau jener Gang war, in welchem ich schon vor wenigen Monaten mit dem Unfassbaren kämpfte.

Ich rannte erneut raus. Draußen standen sie und der andere. Beide mit abnorm verzogenen, unglaublichen Gesichtern. Sie Sprachen in ihrer bizarren Fremdsprache und ich wusste, ohne etwas zu verstehen, dass sie über mich Sprachen.

Ich rannte weg, in meine Wohnung. Versuchte, mir einen Plan zu überlegen. Ich musste weg, so schnell wie möglich. Ich buchte ein Ticket für Ferien. Weit weg, ganz weit weg. Und schliesslich legte ich mich schlafen.

Mit dem Ticket sicher in der Tasche saß ich am nächsten morgen in der Garage und wartete auf das sich öffnende Tor. Ich staunte nicht schlecht, als ich den obszönen Akt der Ausserirdischen sah. Direkt vor meiner Einfahrt war dieses Haus entstanden. Alles passte, sogar die Strasse war da. Die Strasse schien so wichtig, und das obwohl sie absolut keine speziellen Merkmale oder Eigenschaften vorzuweisen hatte.

Ich fuhr los, zum Flughafen. Ich fuhr, es schien viel zu lange zu dauern. Mit einem Mal wurde mir erschrocken klar: Es war wieder diese Strasse. In einem scheinbar unendlichen Zyklus wiederholte sie sich. Die Umgebung veränderte sich immer, schien niemals gleich. Aber die Strasse, ja, sie war immer dieselbe.

Auf einmal erschien zwischen den zufällig scheinenden Häusern dieses eine. Ich raste vorbei, weiter in Richtung der totalen Geraden dieser Strasse. Wusste, es gab nur Flucht. Aber tief in mir befürchtete Ich, dass es keinen Ausweg geben würde.
Und ich hatte Recht. Eine plötzliche, scharfe Rechtskurve und ich kam von der Strasse ab. Raste über eine enorme Wiese, einen leichten Hügel hoch und ungebremst darüber hinweg. Ich fand mich, noch immer rasend, inmitten einer unglaublich großen Kuhle wieder. In der Mitte sah ich das Haus und die Strasse. Den Anfang und das Ende der Strasse konnte ich nicht ausmachen, da beide neben dem Haus schnell in der Wiese verwucherten.

Mit einem lauten Knall raste ich in die Wand. Unzählige, nicht näher definierbare Teile zischten an mir vorbei. Es riss mich aus meinem Wagen, durch Wände, Türen und anderes.

Plötzlich kam ich zum Halt, es war dunkel und mein Name wurde gesagt. Ich drehte mich und lag sogleich auf einem Bett in einem hellen, sterilen Zimmer. Der Alien war da, starrte mich verzerrt an und bemühte sich in meiner Sprache.

Er forderte mich auf, alles aufzuschreiben, was passiert war.
Jeden Tag kommt er nun und fordert die Geschichte von mir. Er sagt, er käme, bis ich es verstanden habe. Die Geschichte ändert sich niemals und trotzdem denke ich, ich verstehe es jetzt.

- Ende -

Die Inspiration zu dieser Geschichte kam von zwei Seiten. Die Idee hatte ich zum ersten Ma, äks ich merkte, dass ein Haus, welches ich jeden Tag Kreuze, ein eben solches Irrenhaus ist. «Was wenn ich eigentlich Insasse bin und das Gebäude wär die einzige Sache, die mich daran erinnern soll?» Die Idee dieser Frage reichte aber noch nicht aus. Da kommt Petra in’s Spiel. Sie, ihr Job und unsere Kommunikation haben mich immer wieder daran erinnert (und das ist absolut als Kompliment gemeint). Und Gestern im Zug war es dann so weit: Es schrieb. ;)

Was haltet Ihr davon? Und wer kennt die Lösung zu diesem nicht sehr schweren Rätsel? (hahaha und ja, mich erinnert diese Geschichte auch an eine Buffy-Episode)

Cheerio the pfriter

Das Virus – Eine pandemische Kurzgeschichte

Posted by: on Mai 19, 2009 in Enjor, Ich, Kunst, Kurzgeschichten, Text | 4 Comments

Das Aufkommen dieses neuen Virus, der Schweinegrippe, liess mich an eine alte Geschichte erinnern. Ich kramte sie hervor und schrieb sie mit einem neuen Gesicht neu – Das hätte ich wohl mit all meinen anderen Kurzgeschichten auch machen sollen, oder?
Meine pandemische Kurzgeschichte mit dem so passenden Namen das Virus dreht sich um einen Protagonisten, der eine Pandemie im eigenen Leben und vor allem an einer Bushaltestelle miterlebt.
Wer Lust dazu hat, darf ab hier weiterlesen :)

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